Warum Fortschritt auch die Fähigkeit braucht, Ziele aufzugeben
In Projektmanagement-Trainings frage ich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gerne:
Wann ist ein Projekt erfolgreich?
Eine naheliegende Antwort lautet: wenn alle vereinbarten Liefergegenstände in der geforderten Qualität, innerhalb des vorgesehenen Zeitrahmens und ohne Überschreitung des Budgets erstellt wurden.
In time, in budget, in quality.
Man könnte aber auch entgegenhalten:
Ein Projekt ist erfolgreich, wenn der Kunde mit dem Ergebnis zufrieden ist.
Auch das klingt plausibel. Doch was ist, wenn der Kunde zunächst zufrieden ist, das Ergebnis aber später kaum nutzt? Was ist, wenn das Projekt sämtliche Anforderungen erfüllt, aber keinen relevanten Nutzen erzeugt? Und was ist, wenn das ursprüngliche Problem inzwischen gar nicht mehr besteht?
Noch provokanter wird die Frage bei einem Projekt, das vorzeitig beendet wird, weil sich seine Zielsetzung als überholt erwiesen hat:
Kann auch ein abgebrochenes Projekt erfolgreich sein?
Annas (@a_koschinski) Replik hat mich in mehrerlei Hinsicht nachdenklich gemacht.
Also zumindest in der Anfangszeit meiner Bloggerei hat sich so etwas wie eine Community zwischen mehreren Blogs abgespielt, aber nicht wirklich in einem. Den Anspruch hatte ich für mich selber auch nie. Kumuliert hat sich das für mich persönlich im PMCamp Dornbirn, wo sich vor 10 Jahren dann erstmals die deutsche Bloggerszene zum Thema Projektmanagement verabredet hat. Klassentreffen von vielen, die sich bis dahin nur virtuell kannten. Für mich persönlich wegweisend und bereichernd. Mit einer Reihe von Kollegen, die ich damals erstmals real getroffen habe, mache ich heute noch Herzensprojekte.
Eines davon ist openPM. Von dem Wiki dort hatten wir uns eine Menge versprochen und aktuell führen wir dort genau die gleiche Diskussion über neue Beiträge, Feedback und Diskussionen und ob ein Wiki überhaupt noch die richtige Antwort ist.
Über Feedbackkultur, habe ich erst kürzlich hier sinniert. Mit einigen Trainern und Verantwortlichen bei LinkedIn Learning hatte ich hierzu schon Diskussionen. Bei Business-Themen (was ich im Tweet schon angedeutet hatte) scheint „man“ Diskussion und Feedback zu scheuen. Bei Technik- und Nerd-Themen sieht das schon anders aus, auch wenn es hier in meinen Augen eine Abflachen gab. Foren sind nur noch ein Schatten ihrer selbst (mit wenigen Ausnahmen) – da bin ich mir mit meinem Kollegen und Mitstreiter Eberhard Huber einig. Nur vereinzelt findet man dort noch, worauf man hofft.
Annas Antwort finde ich grenzwertig: „…für Anleitungen applaudieren viele nicht mehr…“. Es geht nicht um Bauchpinseln, sondern um Respekt. Und da zeigt sich die kostenlos-Kultur von ihrer schlechtesten Seite. Die Inhalte, der Content wird meist nur mehr konsumiert, weder reflektiert (zumindest nicht öffentlich), noch wertgeschätzt. Das ist zwar legitim, aber da ist auch ein Stück weit etwas verloren gegangen.
Hei, fuck, genau das vermisse ich aktuell. Ich wünsche mir mehr Diskussionskultur. Und Twitter ist da auch nur eine radikal verkürzte Variante. Vielleicht bin ich ja ein traumtänzerischer Idealist, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir hier schon mal viel weiter waren.
Muss man ein theoretisch/philosophisches Buch über Spiele lesen?
Nein, muss man nicht, kann man aber.
Und durchaus erhellend ist die Einordnung des Spiels als elementares Prinzip der Evolution und des Lebens.
Gerald Hüther (ja, der Hirnforscher) und Christoph Quarch liefern neben einer wissenschaftlich/philosophischen Einordnung auch eine kleine Kulturgeschichte und ein Plädoyer zur Rettung des Spiels. Bei letzterem schießen sie etwas über das Ziel hinaus und werden mir zu dogmatisch. Sie stilisieren stark die Bedrohung des homo ludens (des spielenden Menschen) durch den homo oeconomicus und den homo faber. Sie warnen vor der reinen Konsumhaltung (statt des aktiven Spiels) und das elektronische Spiel vor dem Monitor erschließt sich ihnen nicht. Hier gehen sie mir zu weit. Ich folge ihrer Wertschätzung von Kreativität und Spiel, die Abschätzung verschiedener Varianten geht mir aber zu weit und ist nicht mehr zeitgemäß. Lediglich die Reduktion des Spiels auf den Konsum oder die elektronische Variante ist zu bedauern, nicht aber diese Varianten an sich. Sie haben im breiten Spektrum des Spiels durchaus ihren Platz und ihre Berechtigung. Homo ludens, homo oeconomicus oder homo faber sind für mich lediglich Denkfiguren – vielleicht auch Leitbilder in bestimmten Epochen. Der Höhepunkt der Verehrung des homo oeonomics ist aber längst überschritten. Seine Kritik beginnt spätestens in den 60er Jahren und hat zuletzt mit Autoren wie Kahnemann oder Taleb auch breite Kreise erreicht.
Die beiden Autoren identifizieren drei zentrale Signaturen eines jeden Spiels: Verbundenheit, Freiheit und Darstellung. Sie betrachten die Spielfamilien Geschicklichkeitsspiele, Wettkampfspiele, Schauspiele (einschließlich der Kultspiele) und Glücksspiele. Sie betrachten Spiel und Spielraum als Quelle von Kreativität und Innovation und somit auch als Voraussetzung für (wirtschaftlichen) Erfolg. Sie kritisieren die Notenoptimierung zu Lasten von „Spielräumen“ in unserem Schulsystem und bieten letztlich ein leidenschaftliches Plädoyer für das Spiel:
„Denn wo Menschen miteinander spielen, öffnet sich der Raum des Zwischenmenschlichen, in dem sich Neues, Unverhofftes zeigen kann.“
Diesmal Ralf Westphal über „Agilität und Kultur“ im Interview mit Patrick Fritz. wie gewohnt hier eine Zusammenfassung:
Eine entsprechende Kultur ist die Voraussetzung, damit sich Agilität in einem Unternehmen durchsetzen kann. Ralf zitiert hierzu den Management-Guru Peter Drucker:
Culture eats strategy for breakfast.
Die Kultur spiegelt sich wieder im Umgang mit Zeit, Fehlern, Fokus und Arbeitsbedingungen.
Agilität hat eigentlich nichts mit SW-Entwicklung zu tun. Ralf meint vielmehr: