#593 Von der Politik lernen – Planung in Projekten

Nein, diesmal geht es weder um BER, Stuttgart21 oder die Elbphilharmonie, da ist ja schon überall das Kind in den Brunnen gefallen. Diesmal geht es um die Energiewende. Und je mehr ich mich mit dem Thema beschäftige, desto mehr fürchte ich, dass es nicht bei diesem einen Beitrag bleiben wird, sondern dass weitere folgen werden.

Als Laie habe ich aus den Tagesmedien verstanden, dass wir beim Ausstieg aus der Atomkraft u.a. nicht um die großen Stromtrassen durch Deutschland herumkommen, um die Windenergie aus der Nordsee auch in Süddeutschland nutzen zu können und dafür läuft gegenwärtig das Planungsverfahren. Wie ich gerade lerne, ist diese Auffassung des „Projketauftrags“ aber etwas verkürzt und naiv, denn es gibt reihenweise versteckte Prämissen und Festlegungen, die in der öffentlichen Diskussion vollkommen untergegangen sind und sobald man diese eines Tages in Frage stellt, wird man dann halt von Planungsfehlern sprechen…

Der Netzausbaubedarfsplan  basiert auf Daten aus 2010 (also noch vor Fukushima). Die Bedarfsplanung wird mittlerweile nicht nur von den Linken, sondern auch von der CSU angezweifelt, der Planungsprozess ist aber nicht gestoppt oder wird überarbeitet (auch wenn dies einige Politiker im Wahlkampf suggerieren)- er läuft unverändert weiter. Der aktuelle Terminverschiebung in der Planung für die Stromtrassen basiert nicht auf der Berücksichtigung neuer Erkenntnisse, sondern auf einem Terminverzug der Planungsgesellschaft.

Einbezogen wurden die 4 Netzbetreiber und die Energieversorger. Demzufolge basiert das gesamt Konzepte auf der Annahme eines zentralistischen Systems. Die 4 Netzbetreiber und die Energieversorgern haben ihre eigene Existenz und ihr eigenes Geschäftsmodell nicht in Frage gestellt, sondern logischerweise fortgeschrieben. Dezentrale Ansätze blieben außen vor. Es gibt zwar derzeit unzählige lokale Initiativen mit der Zielsetzung mittelfristiger Energieautarkie für Regionen, wie z.B. das Energiebündel Eichstätt (hinter dem nicht etwa grüne Utopisten, sondern u.a. alle Kommunen und der Landkreis selbst stecken), diese sind aber nicht berücksichtigt – im Gegenteil, das Finanzierungsmodell des Bundes sieht ja auch vor, dass die regionale Stromerzeugung das neue Modell (also das zentralistische Modell) mitfinanziert.

Wir haben also  bereits eine versteckte Festlegung für ein zentralistisch geprägtes System.

Damit einher gehen leider noch weitere Konsequenzen: Der gegenwärtige Ansatz trennt weiter zwischen Energieversorgern und Netzbetreibern. Die Energieversorger sind nicht an den Transportkosten beteiligt. Diese werden auf alle Verbraucher umgelegt, dass heißt nicht auf alle Verbraucher: Für die Großverbraucher in der Industrie gibt es großzügige Ausnahmeregelungen und Befreiungen. Dummerweise verzerrt dieser Ansatz dann die Wirtschaftlichkeitsrechnung für den Verbraucher: Etwas teurer lokal erzeugter Strom muss auch noch die Transportkosten für in Großkraftwerken erzeugten etwas billigeren Strom mitfinanzieren und wird damit wirtschaftlich uninteressant. Würden die Transportkosten verursachungsgerecht umgelegt, wäre lokale Stromproduktion hingegen wettbewerbsfähig. Eine klassische Fehlsteuerung.

Bezeichnenderweise spiegelt sich dies auch in der Trassenplanung wieder, denn ein Großteil der gegenwärtig geplanten Trassen hat vor allem ein Ziel: Die Einbindung von vergleichsweise billigem, aber ökologisch fragwürdigem Kohlestrom in das System. Die Trasse vor unserer Haustür endet beispielsweise nicht an der Nord- oder der Ostsee, sondern in der Braunkohleregion um Halle. Auch die Kohlekraftwerke in NRW werden über die neuen Trassen eingebunden.Von so etwas war aber war in der ursprünglichen Begründung nie die Rede.

Ich fürchte, so wie wir heute über BER & Co reden, werden wir schon bald über die Energiewende reden und zwar nicht wegen der Atomkraftdiskussion, sondern aufgrund grundlegender handwerklicher Fehler in der Planung, aber es braucht vermutlich erst Großbaustellen und eine Kostenexplosion, die uns die Tragweite vor Augen führen. Dann müssen erst die Trassen stehen bevor wir uns über den Strompreis und den dann völlig überraschenden Rückgang in der lokalen Stromerzeugung wundern werden.

#583 Von Steve lernen…

Ich lese gerade Steve Jobs Biographie (Amazon Affiliate Link) und fühle mich bei der Beschreibung von Jobs Reality Distortion Field (RDF) an die Diskussion über Großprojekte erinnert. Was im Apple Jargon ironisch als RDF bezeichnet wurde, war ein Wesenszug Jobs dem mitunter eine Wahrnehmungsverzerrung unterstellt wurde, in der er nur mehr eine – nämlich seine eigene – „Realität“ wahrnahm und nichts darüber hinaus gelten ließ. Völlig unrealistische Kosten- und Terminaussagen werden einem Visionär wie Jobs aber offenbar verziehen. Und solche gibt es auch in der Apple Historie zuhauf.

Leider besitzen auch viele (Groß-)Projekte eine Art Reality Distortion Field. Und dennoch machen wir es uns bei der Kritik an Großprojekten zu einfach: Der BER von heute hat (fast) nichts mit dem ursprünglich geplanten BER gemein. Umso schwieriger und unsinniger ist ein Vergleich von Termin und Kosten. Das befreit die Politik nicht von ihrer Verantwortung. Auch Wowi & Co müssen sich für ihr persönliches Reality Distortion Field rechtfertigen, aber das ist eine andere Geschichte.

#550 Was können wir aus Großprojekten lernen?

Christian Vogel hat auf openPM eine Diskussion anlässlich der aktuellen BER-Geschichte gestartet.

Hallo Dummköpfe! Hallo Lügner!  – Diskutiert mit!

(Diese Anrede ist geklaut aus einem Google+ Post von Heiko Bartlog und bezieht sich auf einen Artikel des Planungsexperten Bent Flyvbjerg, der u.a. bei Spiegel online derzeit die Runde macht.)

Übrigens: Ich bin auch ein Lügner und Dummkopf!

#525 PM-Reader

Marcus Raitner fragt auf /misc ob der Projektleiter vom Aussterben bedroht ist.

In einer neuen Folge von PM-TV spricht Stefan Hagen mit Wolfgang Böhl über Professionalität im Projektmanagement.

Reinhard Wagner bespricht auf dem GPM-Blog die PM-Vorlesungen von Marc Opresnik auf YouTube – und ist enttäuscht.

Das CIO-Magazin zitiert eine Studie der FH Wien, die einen Trend zum Outsourcing von Projektmanagement attestiert. Da finde ich mich doch gleich wieder:

Stefanie Hofmann berichtet in 10 Teilen auf Unlocking Potential von ihrer Erfahrung mit der IPMA Level D-Sommerakademie (1. Kreativität, 2. Projektatlas, 3. Phasenmodelle, 4. Kommunikation, 5. Netzplan, 6.  TMS, 7. Qualitäts- und Änderungsmanagement, 8. Projektsteuerung, 9. Vertragsmanagement, 10. Abschluss). Persönlich Schmerzen bereitet mir der Umstand, dass Kommunikation erst nach den Phasenmodellen kommt. Für mich kommt Kommunikation sogar noch vor der Kreativität!

Selbstbild eines PMs: Bas de Bar (Englisch) – This Is What I Do. Dammit.

Und nochmal Reinhard Wagner über die Kostenfalle Großprojekt.

 

#501 Großprojekte – Wir brauchen eine neue Projektkultur!

Reinhard Wagner schreibt auf dem GPM-Blog über Stuttgart 21. Er resümiert: „Es hilft nichts, ein Planungsverfahren im Schnelldurchlauf durchzuziehen, wenn der Zeitgewinn später durch die Proteste wieder aufgefressen wird.“

Aber das geht am Kern vorbei.

Also eine Planung im Schnellverfahren kann man Großprojekten in Deutschland wirklich nicht unterstellen. Im Gegenteil: Da Vergehen bis zum Bau einer Umgehungsstraße schon mal 30 Jahre. Und Möglichkeiten zur Bürgerbeteiligung gibt es zumindest theoretisch mehr als genug. Das Problem sehe ich eher darin, dass solche exorbitanten Planungsvorhaben den Bezug zur Realität verlieren. Zum Einen ist jede Planung über eine solche Zeitspanne grundsätzlich für die Katz und birgt mehr Fehler als Wahrheiten (siehe S21), zum Anderen sind solche Projekte für die Betroffenen eher irreal und wie von einem anderen Planeten. Deswegen sind die Stakeholder in S21 erst unfassbar spät aufgewacht.

Wir brauchen eine neue Projektkultur in dieser Gesellschaft! Vielleicht ist Agilität deswegen gerade ein so heißes Thema.

#500 Großprojekte als Wetten auf die Zukunft

Roland Dürre sinniert im IF-BLOG über Sinn und Unsinn von Großprojekten und bezeichnet Großprojekte (er nennt z.B. Stuttgart 21 oder die dritte Landebahn des Münchner Flughafens) sehr trefffend als Wetten auf die Zukunft. Er betrachtet weiter die Aspekte Risiko und Finanzierung der Wette und kommt zu dem Schluß: Wir gehen sehr riskante Wetten auf Pump ein!

Soweit bin ich voll und ganz bei Roland.

Wenn man Großprojekte betrachtet, muss man aber noch eine weitere Seite einbeziehen: Das Umfeld.

Großprojekte „passieren“ nicht auf der grünen Wiese, sondern in großen Organsiationen (unser Staat/unsere Gesellschaft ist auch eine Organisation in diesem Sinn). Große Organisationen sind von Haus aus träge, wenn nicht sogar manövrierunfähig. Hier kommt das Bild des Tankers, der nur schwer zu steuern geschweige denn zu bremsen ist.

Soll nun so ein Tanker die Richtung ändern, so hilft mitunter nur ein gewagtes Manöver. Der Ausgang eines solchen Manövers lässt sichnicht immer prognostizieren und führt häufig zu ungewünschten Ergebnissen: Vom Abdriften in eine andere Richtung, bis hin zum Sinken des Tankers. Auch dieses Bild passt zu Großprojekten…

#354 Neue Projektmanagement Methode für IT-Großprojekte

In den News des Projektmagazins findet sich der Hinweis auf eine „neue Projektmanagement Methode für IT-Großprojekte“. Eine ausführliche Beschreibung gibt es beim Bundesverwaltungsamt als pdf-Download.



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