PVM2019 – Canvas to go

Auf der diesjährigen PVM  der Gesellschaft für Informatik in Lörrach darf/durfte ich über Canvas als Facilitation-Technik (um genauer zu sein als Visual Faciliation Technik) referieren.

Die wichtigsten Infos und Referenzen zum Kompaktbriefing gibt es hier:

Die Canvas Idee

Canvas ist der englische Begriff für Leinwand.

Canvas als „Methode“  ist eine Facilitation-Technik bei der es darum geht eine Idee, ein Thema oder ein Konzept auf eine „Leinwand“ zu projizieren. Im Falle der Canvas-Methode nutzt man nun nicht eine leere Leinwand, sondern eine Leinwand mit Hilfslinien und Feldern.

Facilitation-Techniken sind Schlüsseltechniken, die Moderatoren benutzen um Teams und Einzelpersonen zu helfen Aktivitäten und Meetings ergebnisorientiert voranzutreiben.

Prominentester Vertreter ist der Business Modell Canvas von Osterwalder/Pigneur, der der Darstellung/Entwicklung eines Geschäftsmodells dient. Dieser entstand im Rahmen einer Online-Community und wurde mit dem Buch „Business Model Generation“ bekannt.

 

Canvas Beispiele

Eine Sammlung von Beispielen zum Thema Canvas findet sich z.B. auf openPM.

 

Zusammenspiel

Das folgende Bild zeigt ein mögliches Zusammenspiel von Business Model Canvas, Value Proposition Canvas, System Footprint und Projekt Canvas.

Einsatzmöglichkeiten & Grenzen

Der Einsatz eines Canvas macht Sinn da, wo wir Facilitation benötigen. Wo wir die Gruppe benötigen, gleiches Verständnis und Commitment brauchen.

Ein Canvas ist nur eine grobe Darstellung. Vielleicht braucht es punktuell Ausarbeitung und Detaillierung.

Aber bei aller Unschärfe – das Grundkonzept ist klar.

Ein Canvas will insofern auch keine anderen Artefakte ersetzen, weil es gar nicht um das fertige Bild am Ende geht, sondern viel mehr um den Entwicklungsprozess und seine Moderation.

Wenn wir diesen Entwicklungs- und Moderationsgedanken verfolgen, dann ist klar, dass es auch nicht um das Ausfüllen eines Formulars geht.

Einen Canvas wie ein Formular zu bearbeiten ist wie Kochen mit Tütensuppen (Referenz an Tim Themann – Den Computermaler).

Ein Canvas dient uns als Projektionsfläche. Das Schema stellt nur Hilfslinien dar. Ein Maler hat die Freiheit sich über Hilfslinien hinwegzusetzen und sie zu übermalen.

Der agile Management-Theoretiker Jurgen Appelo hat in seinem neuen Buch vorgeschlagen sich bei einem Canvas wie bei einem Quilt zu bedienen. Einzelne Felder von Relevanz für das jeweilige Thema herauszupicken und miteinander zu einem Teppich zu vernähen.

Soweit möchte ich ihm nicht folgen.

Es geht nicht um ein beliebiges Cherry Picking und ja, wir müssen lernen auch weiße Flächen zu ertragen. Vielleicht sind einzelne Felder für unsere konkrete Fragestellung wirklich nicht relevant, aber die weiße Fläche zwingt uns dazu, das auch explizit festzustellen.

 

Einen eigenen Canvas entwickeln

  1. Aufgabenstellung klären
  2. Identifikation der Felder
  3. Gruppierung und Anordnung
  4. Grafische Gestaltung
  5. Detaillierung
  6. Verprobung

 

Weiterführendes

Ist Ihr Interesse an Canvas und Graphic Facilitation geweckt? Wenn Sie sich mehr dafür interessieren und offen für einen unkonventionellen/spielerischen Ansatz sind, dann sei Ihnen unser Buch „Business Visualisierung“ empfohlen. Oder Sie stöbern gleich hier um Blog weiter oder in unserer Business Visualisierungs-Video-Reihe auf LinkedIn Learning.

Business Visualisierung – Der openPM-Canvas

In der aktuellen Folge geht es um den openPM-Canvas.

Zur Canvas-Seite auf openPM (u.a. mit dem Template in verschiedenen Formaten und viel mehr Informationen) geht es hier

Unsere Reihe erscheint wöchentlich auf LinkedIn Learning. Die aktuelle Folge ist frei im Internet verfügbar. Archivzugriff ist den Abonnenten von LinkedIn Learning vorbehalten.

Best of… Erklärvideo zum openPM Canvas

Nachdem ich den openPM-Canvas initiiert und mitentwickelt habe, habe ich mich nun an einem Erklärvideo für den Canvas versucht.

Hinter dem openPM-Canvas verbirgt sich die Idee anhand eines vorgegebenen Rasters auf einer „Leinwand“ in grafisch, visueller Form ein Projekt samt seiner Besonderheiten und Restriktionen darzustellen. Es handelt sich dabei um eine Art Mischung aus Strukturierung, Visualisierung & Storytelling.

Der openPM-Canvas steht unter Creative Commons-Lizenz jedem zur Nutzung/Weiterentwicklung auf openPM zur Verfügung: https://www.openpm.info/display/openPM/Canvas

Dieser Beitrag erschien ursprünglich hier.

Das Geheimnis der Empathie

Warum erfreuen sich Konzepte wie Visuelles Denken, Design Thinking oder Werkzeuge wie Canvas immer mehr Beliebtheit?

 

Nun: Sie bringen Empathie zurück in unsere Unternehmen.

Empathie bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft, Empfindungen, Gedanken, Emotionen, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen (Wikipedia). Egal ob bezüglich unserer Mitarbeiter, unserer Kunden, Konkurrenten oder anderer Stakeholder.

Beispielsweise mit einer Empathy Map können wir uns das Empfinden einer Person vor Augen führen.

Das Scientific Management von Taylor ist alt, aber Management by Objectives und amerikanisches Management Denken haben sich in den letzten Jahren immer mehr durchgesetzt.

Was auf der Strecke geblieben ist, sind einfühlsames Denken und gesunder Menschenverstand.

Visuelles Denken und Prozesse wie Design Thinking sprechen auch unsere emotionale Intelligenz an.

Haben wir zuletzt einseitig auf die eine Seite geschielt, dann verspricht ein Schielen auf die andere Seite verblüffende Einsichten und Erkenntnisgewinn.

Einseitige Gefühlsduselei ist natürlich genau derselbe Quatsch, wie blinder Rationalismus. Ein konsequentes Management by Objectives – ohne Sinn und Verstand – führt selbstverständlich genauso ins Verderben, wie wenn wir unseren Namen tanzen…

Man kann diesen Schalter aber nicht steuern. Man kann nicht wählen: 10% Gefühl, 90% Kalkül. Es ist immer ein sowohl als auch.

Und wer an den Werten von Zielvorgaben oder Command & Control blind festhält wird nie wirklich Empathie entwickeln.

 

Beitrag #717 auf schlossBlog

Canvas Kritik


Beim Computermaler Tim Themann bin ich über eine kritische Rezension der Canvas-Konzepte gestolpert.

Der Kollege ist ja als visuell denkender Mensch bekannt, da könnte so eine Kritik doch verwundern – doch er hat ja Recht. Er kritisiert „A-priori-Visualisierung“ und Tütensuppendenken. Er beschreibt Canvas als:

„…ein Formular. Formulare haben klar vorgegebene Felder fester Größe, die mit exakt vorgegebenen Inhalten zu füllen sind. Innerhalb dieser Grenzen bewegt sich das Denken – und diese Grenzen werden übrigens weder durch tolle, farbige Haftnotizen noch durch Visualisierungen wirklich erweitert. Das Ausfüllen eines Formulars wird durch visuellere Gestaltung kein inhaltlich kreativerer Akt. All dies sind allerhöchstens Geschmacksverstärker in der Tütensuppe des formularhaftes Denkens.“

Natürlich hat er damit Recht und gleichzeitig auch nicht.

Fakt ist eine gewisse Inflation von Canvas-Konzepten.

Was gut ist, setzt sich halt auch durch.

Nein, viele der Canvas-Vorlagen sind eher dürftig: Ein willkürliches Aneinanderklatschen von Feldern. Die Degeneration der Canvas-Idee.

Ein Canvas hilft zu strukturieren – ohne bereits zu viel festzulegen.

Wer ein Canvas als Formular benutzt, hat das Prinzip nicht verstanden. Canvas heißt nicht nur Leinwand, ein Canvas sollte auch als solche genutzt werden: Als Projektionsfläche.

Die einzelnen mit dem Canvas erarbeiteten Inhalte interessieren weniger als der Prozess der Bearbeitung.

Ein Canvas richtig eingesetzt ist ein mächtiges Graphic Facilitation-Werkzeug.

In der gruppendynamischen Erarbeitung entfaltet ein Canvas seine Stärke. Er ermöglicht und fördert Kommunikationen, die sonst nicht oder nicht in diesem Ausmaß stattfinden würden. Ein Businessplan oder ein Projektauftrag kann normalerweise nur in einem kleinen Kreis ausgearbeitet werden. Mit einem Canvas kann ich einen größeren Personenkreis in den Prozess einbinden und die wesentlichen Ideen und Komponenten in den Köpfen der Beteiligten verankern.

Mit seiner Grundstruktur versucht er obendrein eine gewisse Vollständigkeit der Betrachtung zu gewährleisten, d.h. Vollständigkeit ist das falsche Wort – eher ist es eine Ganzheitlichkeit. Gerade durch den improvisierten Charakter produziert ein Canvas keine Vollständigkeitsillusion. Niemand käme auf die Idee, dass mit Osterwalders Business Model Generation-Canvas eine Geschäftsidee vollständig bis ins letzte Detail dargestellt werden kann. Aber die Schwerpunkte und die Lücken, die Verbindung der einzelnen Themen verraten viel über den grundsätzlichen Charakter eines Modells: Das Wesentliche.

Als Formular bleibt der Canvas hingegen kraftlos. Es geht nicht darum ein Kreuzworträtsel auszufüllen, sondern eine Idee zu beschreiben, eine Geschichte zu erzählen. Niemand zwingt uns dazu sklavisch an der vorgegebenen Struktur zu kleben.

Eine Moderation anhand eines Canvas eignet sich auch hervorragend für einen Personenkreis, der sich noch nicht oder noch nicht viel mit visuellen Konzepten und visuellem Denken und Arbeiten auseinandergesetzt haben. Das Grundprinzip ist im Handumdrehen erklärt und jeder kann sich einbringen.

Man darf Canvas-Konzepte nicht überbewerten. Sie sind ein einfaches Hilfswerkzeug. Geschickt eingesetzt, aber ein sehr mächtiges. Wie immer bei Werkzeugen kommt es darauf an, wie man sie einsetzt und als Tütensuppe würden sie mir auch nicht schmecken…

Beitrag #698 auf schlossBlog

#612 Erklärvideo zum openPM-Canvas

Nachdem ich den openPM-Canvas initiiert und mitentwickelt habe, habe ich mich nun an einem Erklärvideo für den Canvas versucht.

Hinter dem openPM-Canvas verbirgt sich die Idee anhand eines vorgegebenen Rasters auf einer „Leinwand“ in grafisch, visueller Form ein Projekt samt seiner Besonderheiten und Restriktionen darzustellen. Es handelt sich dabei um eine Art Mischung aus Strukturierung, Visualisierung & Storytelling.

Der openPM-Canvas steht unter Creative Commons-Lizenz jedem zur Nutzung/Weiterentwicklung auf openPM zur Verfügung: https://www.openpm.info/display/openPM/Canvas

#588 Und noch mehr Canvas…

Scrum-Guru Roman Pilcher hat einen eigenen Product-Canvas entwickelt, der sich nahtlos in agile Projekt- und Softwareentwicklungsmethodik einfügt.

Es lässt sich sicherlich darüber streiten, ob eine Cloud-Lösung das geeignete Medium für ein Canvas ist, aber der Canvanizer bietet eine ganze Reihe von Canvas (kostenlos) an, die man mit anderen teilen und weiterentwickeln kann. Zumindest zum „Spielen“ und kennenlernen der verschiedenen Canvas ein hervorragendes Angebot:

Business Canvas

  • Business Model Generation Canvas (der Klassiker von Alex Osterwalder & Co)
  • Lean Canvas, eine etwas schlankere Adaption
  • Lean Change Canvas fokusiert auf organisatorische Veränderungen
  • Feedback Canvas, eine Tafel um positives und negatives Feedback, sowie Vorschläge einzusammeln
  • Die SWOT-Analyse  – leider reduziert auf eine vier Felder-Matrix. Ich mag diese Darstellung gar nicht du bevorzuge die differenziertere Variante, wie sie auch auf openPM beschrieben ist. 
  • Open Innovation Canvas, rückt die Innovation im Vergleich zur Gecshäftsidee in den Vordergrund
  • Canvas4Change, betrachtet die Voraussetzungen, den Wandel selbst und die Implementierung

Service Design

Projektmanagement

#587 it security canvas

Und noch ein Canvas… Nachdem der visualPM schon beim openPM-Canvas seiner Leidenschaft für die Visualisierung komplexer Themen nachgegangen ist, experimentiert er gerade wieder mit einer neuem Canvas: Einem it-security-canvas.

Dieser Canvas ordnet die Rubriken der ISO 27001:2013 (Wikipedia)  um ein stilisiertes System-Use-Case-Diagramm und erlaubt so auch eine visuelle Darstellung und Verknüpfung von IT-Security-Themen. Storytelling wird so auch für abstrakte Themen, wie IT-Sicherheit möglich. In einem ersten Anwendungsfall, habe ich versucht Defizite und Handlungsbedarfe im Vertrag mit einem IT-Service-Provider transparent herauszuarbeiten. Ich kann mir auch vorstellen den Canvas in verschiedenen Versionen als Poster weiter zu entwickeln, um Risks, Threats und Controls der relevanten Gebiete darzustellen.

Wer auch mit der it security canvas experimentieren will, ist hierzu herzlich eingeladen. Vorlagen gibt es in A0, A3 und A4 als pdf-download:

Kommentare als Feeback sind herzlich willkommen!

#584 TurnaroundPM (2)

An dieser Stelle KEINE Leseempfehlung, denn man kann mir Befangenheit unterstellen. Gerade frisch erschienen ist das Buchprojekt „TurnaroundPM“ von Roger Dannenhauer, Torsten J. Koerting und Michael Merkwitza. Es ist ein ganz besonderes Buch, dass dem VisualPM gefällt, aber sicher nicht jedermanns Geschmack trifft (siehe Thomas Mathoi´s Rezension).

Meine Befangenheit bitte ich zu entschuldigen, aber nachdem mich die drei Autoren zum Kreis ihrer Co-Autoren zählen (ich würde uns aber eher als Impulsgeber und Sparring-Partner bezeichnen), will ich mich in Zurückhaltung üben.

Das Buch ist zweifelsohne ein Hingucker, das inspiriert – auch wenn es beispielsweise Thomas etwas „too much“ ist. Bemerkenswert ist vor allem seine Entstehungsgeschichte, die das Modell des Buchprojekts „Business Modell Generation“ von Alex Osterwalder auf das Thema Projektmanagement überträgt. Die Autoren haben dabei eigens in einem Internet-Hub und zahlreichen Workshops versucht nicht im eigenen Saft zu schmoren, sondern kolloborative Prozesse zu nutzen, um  zum Ziel zu kommen.  Für jemanden wie mich, der ebenfalls mit kolloborativen Prozessen (z.B. auf openPM experimentiert) und sich mit ähnlichen Inhalten auseinandersetzt (der zentrale Project Square des Turnaround-Hubs entstand parallel zum openPM-Canvas und die beiden Konzepte sind keine Konkurrenten, sondern basieren auf ähnlichen Ideen und wir haben sie gemeinschaftlich diskutiert und unsere Erfahrungen ausgetauscht) ein sehr spannendes Unterfangen.

Zu den Inhalten des TurnaroundPM:

TurnaroundPM beschäftigt sich mit Projekten, die zu Scheitern drohen und versucht aufzuzeigen, wie man (u.a. mit der richtigen Geisteshaltung) sich solchen Projekten nähern kann. Zentrales Werkzeug dafür ist der Project Square – ein PM-Canvas –  die visuelle Reduktion eines Projektes auf seine elementaren Bestandteile.

Der Turnaround-Prozess selbst wird in verschiedene Phasen gegliedert:

  1. Erkennen
  2. Analyse
  3. Stabilisierung
  4. Transformation
  5. Nachhaltigkeit

Viel mehr sei an dieser Stelle nicht verraten – wie gesagt: ich bin befangen – aber vielleicht konnte ich etwas die Neugier wecken.

Weiterführende Links:

#559 VisualPM: Canvas

Ähnlich dem openPM-Canvas entstand parallel aus dem Buchprojekt TurnaroundPM der Project  Square.

Die beiden Canvas haben mehr gemein, als was sie trennt. Unterschiede in den betrachteten Feldern lassen sich mit der Herkunft erklären. Der Ausgangspunkt von Project Square waren speziell Turnaround-Projekte, wobei die Anwendbarkeit auch in „normalen“ Projektsituationen durchaus gegeben ist. Bleibt als Unterschied, dass die openPM-Canvas auch versucht die zeitliche Dimension und den Verlauf visuell aufzubereiten.

Zentral bei beiden Werkzeugen ist weniger das konkrete Poster, das dabei entsteht, als der Prozess der Entwicklung. Eine Canvas im Team zu entwickeln, sorgt für eine gemeinsames Verständnis dafür, was wichtig ist und wie man das erreichen will, idealerweise aber nicht nur zu einem gemeinsamen Verständnis, sondern auch zu einem gemeinsamen Commitment.

Nachdem ich auf dem PM-Camp 2012 in Dornbirn mit Mikko Mannila ausgiebig über die Verwendung von Canvas im Projektmanagement diskutiert habe, hat er jetzt gemeinsam mit den TurnaroundPM-Kollegen ein Project Square Toolkit, bestehend aus Project Square Plakat in DIN A 0, Stattysblöcken, Whiteboardmarker und einer kurze Anleitung, entwickelt, das demnächst im Stattys Shop angeboten wird.

Ich selbst nutze übrigens auch Stattys für die openPM-Canvas.



bernhardschloss.de