Archiv der Kategorie ‘Allgemein‘

 
 

#680 Gelesen: Quiet Leadership

 

Quiet Leadership – Wie man Menschen und Spiele gewinnt; Ancelotti, Carlo. – München : Albrecht Knaus Verlag, 2016

Heute Abend ist SuperCup und die neue Bundesliga-Saison steht vor der Tür. Passend zum Start ist ein Buch zum Thema Führung des neuen Bayern-Trainers Carlo Ancelotti erschienen. Wobei – wahrscheinlich ist es mehr ein Buch über als von Ancelotti, denn ob er selbst auch nur eine Zeile zu Papier gebracht hat darf bezweifelt werden. Das Oeuvre ist wohl eher von geschickten Ghostwritern aus Interviewsessions und Gastbeiträgen zusammenkompiliert. Das mag die Autorenschaft in Frage stellen, nicht aber das Gedankengut. Zugegeben: Ein bisschen zu viel Lobhudelei, wenn Weggefährten über Ancelotti schreiben. Vielleicht sind die Ideen auch nicht wirklich innovativ. Aber gerade die Einfachheit, die hinter Ancelottis Quiet Leadership steht, ist in Zeiten wie diesen mit grölenden oder besserwisserischen und manchmal menschenverachtenden Managementvertretern angenehm unspektakulär. Ja, fast schon vernünftig! Eher gesunder Menschenverstand als polemische Managementrhetorik.

Denkt man an cholerische Exzentriker á la Mourinho oder Konzeptfussballer á la Guardiloa, dann erscheint einem bei der Lektüre Ancelotti als souveräner, kluger Kopf. Ein Familienmensch, denn das Team ist eine Familie und da kommt es mitunter mehr auf ein gemeinsames Mittagessen an, als auf die perfekte Fußballidee, denn die Chemie muss stimmen. Und ein Charakterkopf und Gentleman scheint er auch zu sein.

Aber fast schon wieder zu viel des Lobs. Vielleicht bin ich den Ghostwritern in die Falle getappt. Natürlich ist es ein Konzeptbuch (wie Konzeptfußball), natürlich gibt da jemand seinen Namen dafür her, aber die Lektüre hat mir dennoch gefallen, weil sie sich angenehm von der gegenwärtigen Managementpraxis abhebt und mir Lust bereitet, den Trainer und Menschen Ancelotti in der kommenden Bundesligasaison (medial) zu beobachten.

#679 Fehlerkultur & Resilienz in Projekten

Fehlerkultur und Resilienz tauchen als Begriffe immer häufiger auf und erweisen sich in komplexen Aufgabenstellungen als erfolgreiche Strategie.  Wenn wir schon nicht alles planen und steuern können, dann können wir uns wenigstens auf die Unzulänglichkeiten des Lebens hinreichend vorbereiten. Das gilt in Ausnahmesituationen, ebenso wie im Unternehmensalltag oder in Projekten.

Resilienz mag der Überbegriff sein, aber die Fehlerkultur, als die Art und Weise, wie wir mit Fehlern umgehen ist ein wesentlicher Bestandteil, der zur Resilienz beiträgt. Ein wunderschönes Beispiel dafür, was Fehlerkultur ist, liefert ein Beitrag von Impulse über Fehlermanagement in der Luftfahrt oder: Was Unternehmer von Piloten lernen können.

Und was können sie lernen?  – Das Fehler ganz normal sind und dazu gehören, aber wir können uns auf sie vorbereiten und wenn wir vorbereitet sind, zwingt uns nicht der einzelne Fehler, sondern erst die unglückliche Verkettung mehrerer Fehler in die Knie.

Die Schuldfrage/Cover-your-ass sind unternehmenspolitische Machtspielchen, die nur leider jeden anderen Zweck verfolgen als den Projekterfolg. Mit Fehlerkultur haben sie nichts zu tun. Eher Unkultur…

Resilienz (von lat. resilire ‚zurückspringen‘ ‚abprallen‘) oder psychische Widerstandsfähigkeit ist die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und sie durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen.
(Wikipedia)

Resilienz ist wohl auch eines der Merkmale agilen Projektmanagements, dass dieses so populär macht. Ein zweiter Faktor, der damit Hand in Hand einhergeht sind Kommunikation & Transparenz. Gerade im agilen Projektmanagement werden viele Kommunikationsformen mit Ritualen verstärkt und etabliert. Und last but not least ein spezielles Menschenbild, obwohl das bei der zunehmenden Verbreitung agiler Ansätze immer häufiger vergessen wird. Überhaupt wird der Begriff „agil“ mittlerweile inflationär gebraucht – missbräuchlich gegenüber der ursprünglichen Idee.

Nichtsdestotrotz: Die Erfolgsfaktoren hinter erfolgreichem agilen Vorgehen sind also Kommunikation, Transparenz und Resilienz und auch klassisches Vorgehen kann genauso erfolgreich sein, wenn diese Erfolgsfaktoren gegeben sind. Projekterfolg ist also weniger eine Frage des Vorgehensmodells (agil oder klassisch) als eine Frage der Umsetzung dieser Erfolgsfaktoren (Transparenz, Kommunikation und Resilienz).

#678 Bericht vom StartUp Barcamp Ingolstadt

Schon wieder eine Woche her, dass in Ingolstadt ein StarUp-Barcamp erfolgreich stattfand.

Um Hannes Schleeh vom Gründerzentrum Ingolstadt hatten sich eine ganze Reihe Interessierte eingefunden, teils alte Barcamp-Hasen, teils Newbies, Gründer, Berater, Unternehmer,…
Spannende zwei Tage mit vielen Diskussionen, Erfahrungsberichten und jeder Menge Networking. Zum Teil auch voller Widersprüche: Wollte Hannes den Teilnehmern wertvollen Input für ein Digitales Gründerzentrum in Ingolstadt entlocken, erklärte auf der anderen Seite Markus Fichtner (CEO des Automobilzulieferers BFFT mit ca. 800 Mitarbeitern), warum sein Unternehmen eine Abteilung mit Softwareentwicklern nicht in der Region, sondern in Regensburg aufgemacht hat.
Teilweise wurden Geschäftsideen vorgestellt und diskutiert, sei es vom Fotostudio bis hin zum Immobiliensektor. Das eine oder andere Gespräch setzt sich auch längst über das Ende der Veranstaltung hinaus fort. Somit ein voller Erfolg, der nächstes Jahr wiederholt werden soll.
Immer wieder tauchte das Schlagwort Social Media auf, der Business Model Canvas wurde nicht nur in meiner Session aufgegriffen (wie hätte es auch anders sein können), sondern war quasi der unbestrittene Maßstab für die vorgestellten Gründungsideen. Es ging um den richtigen Auftritt, aber auch um Themen wie Unternehmenssicherheit. Den vielen Newbies geschuldet, blieb es auf Twitter vergleichsweise ruhig. Ein Schmankerl ist aber die Sketchnote der Webkönign zur Session von Markus Fichtner:


Ein herzliches Dankeschön noch an Hannes und sein tolles Team! Ihr seid hervorragende Gastgeber!

#677 Die Powerpoint-Überforderung (Teil 2)

Über die Krux mit den Vorgaben für Präsentationen wurde in Teil 1 schon hinreichend lamentiert. Kehren wir zurück zum Ausgangsproblem meines Sohnemanns. Anhand einer Folie, die ich ihm geklaut habe, lässt sich das Spektrum der Powerpoint-Überforderung illustrieren.
Für den Einstieg seines Referats wählte er zwei Fotos aus unserem England Urlaub. In der Waffensammlung im Tower of London hatten wir eine wunderschöne Samurai-Rüstung entdeckt, die hervorragend zu seinem Referatsthema gepasst hat. Gleich zum Einstieg – quasi als Teaser und Eyecatcher – kamen dafür die beiden Fotos möglichst großflächig zum Einsatz, aber seht selbst:

Zur Abschreckung nun die Powerpoint-Degeneration des gleichen Motivs bis hin zur Firmenpräsentation samt Logo:

Lächle und sei froh, denn es könnte schlimmer kommen: Selbst die letzte Folie ist noch keine Bleiwüste mit Fliesstext. In der Farbgestaltung (abseits des Logos), der Schriftwahl, der Schriftgrößen, der Auswahl eines Hintergrunds, möglicher Aninmationen und Übergänge liegen noch endlose Möglichkeiten der Verunstaltung unseres Vortrags. Warum nicht statt der Fotos Cliparts verwenden oder ein Video einbinden,…
Bei all dem Wahnsinn könnte man glatt von Vorträgen ohne Medieneinsatz träumen – aber wir wollen es ja nicht anders und sind vollständig überzeugt von dem, was wir tun.

#676 Die Powerpoint-Überforderung (Teil 1)

Sie ist allgegenwärtig – Die Powerpoint-Überforderung oder treffender noch: Die Überforderung durch den Medieneinsatz. Die Kombination aus technischen Möglichkeiten/Werkzeugen, Informationsflut und diffusen Erwartungshaltungen wütet Tag für Tag in unseren Unternehmen, Schulen und Universitäten. Und nicht nur die Vortragenden sind überfordert, sondern auch die Lehrenden.

Powerpoint ist heute zutage ganz wichtig! Das müsst ihr lernen – am besten schon in der Schule!

In Hause Schloß erhält gerade die next generation Powerpoint Einzug. Sohnemann kam mit einer Aufgabe heim: Referat mit Powerpoint-Präsentation.

Problem 1: Das mit der Medienkompetenz

Eigentlich müsste die Aufgabenstellung heißen: Referat mit Medieneinsatz. Powerpoint ist nur ein Medium und bei einem Referat sollte bewusst über den Medieneinsatz entschieden werden. Auch der Verzicht auf einen Medieneinsatz ist dabei eine legitime (wenn auch längst aus der Mode gekommene) Alternative – und stellt um so höhere Anforderungen an andere Aspekte des Vortrags. Warum nicht auch Demonstrationsobjekte, Flipcharts, Plakate, Versuche einsetzen, um ein Thema im wörtlichsten Sinne „begreifbar“ zu machen, das gibt die Aufgabenstellung aber nicht her.

Problem 2: Wozu dient mein Medieneinsatz?

Schwierig an obiger Aufgabenstellung ist die fehlende Konkretisierung, was mit dem Einsatz von Powerpoint erreicht werden soll. Soll sie das Referat vollständig dokumentieren, unterstützen oder ergänzen? Die Vermischung dieser Ebenen führt im Unternehmensalltag häufig zur Produktion von „Slideuments“. Kommunikationsprofis wie Garr Reynolds oder Nancy Duarte verstehen darunter Folien (Englisch: slides) die nicht für eine Präsentation aufgebaut sind sondern als Dokumente (documents). Natürlich ist auch die Verwendung von Slideuments völlig in Ordnung, aber als Dokumente und nicht als Präsentation. Man sollte sich ihrer Wirkung und ihrer Einschränkungen bewusst sein. Der Inhalt der Slideuments lenkt vom Referenten ab. Der Rezipient ist mit dem Lesen der Folien beschäftigt, statt sich mit den Aussagen des Referenten auseinanderzusetzen. Der Referent beraubt sich selbst der Aufmerksamkeit seiner Zuhörer. Ich mag Slideuments zur Dokumentation, als Arbeitswerkzeuge, aber nicht in Präsentationen! Slideuments sind keine guten Präsentationen.

Problem 3: Die Krux mit den Vorgaben

Wie heißt es so schön: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Positiv überrascht, weil leider nicht selbstverständlich, war ich von Sohnemanns Vorgaben: Nur Schriftgrößen größer/gleich 32pt (damit auch noch die Mitschüler in der letzten Reihe alles lesen können) und keine Aufzählungen mit mehr als 5 Punkten verwenden (da gab es doch was in der Wahrnehmungspsychologie, dass wir nur 5+/-2 Informationseinheiten („chunks“) verarbeiten können).

Aber halt! Mit diesen Vorgaben sind wir schon mitten in der Slideument-Falle. Und dann noch: Keine Folie ohne Überschrift! Folien müssen Inhalte transportieren. Müssen sie? Nein, müssen sie nicht. Präsentationsfolien sollen Inhalte unterstützen, aber nicht selbst transportieren. Wer hat schon eine Dia-Show mit Überschriften gesehen? Ich meine mit Überschriften auf jedem einzelnen Bild? In Powerpoint-Präsentationen nehmen wir diesen Wahnsinn aber widerspruchslos hin.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich mag Powerpoint. Was ich kritisiere ist, wie wir allzu oft Powerpoint einsetzen (und ich nehme mich selbst da nicht aus). Da kommt wieder der alte Spruch: A fool with a tool is still a fool.

Die Krux mit den Vorgaben lässt sich noch weiter treiben: Seitenzahl, Autor, Fortschrittsanzeige, Dateiname samt Pfad auf jede Folie. Bitte noch das Firmenlogo (insbesondere bei internen Präsentationen ganz besonders wichtig, damit auch jeder Zuhörer weiß, bei welcher Firma er angestellt ist. Zur besseren Identifikation mit dem eigenen Laden bitte auchu noch das Corporate Design beachten. Einen Vertraulichkeitsvermerk brauchen wir noch, weil wir verwenden ja Slideuments und da muss ja jeder wissen, wie er mit Ausdrucken umzugehen hat.

Die Kollegen von der Konzernkommunikation haben es uns auch einfach gemacht und die Vorgaben für unsere Präsentationen in einer Vorlage zusammengefasst. Da gibt es dann nicht nur frei verwendbare Marketing-Fotos, abgestimmte Farb-Paletten und Layout-Vorlagen und vieles mehr. Die Verwendung eines Bildes ohne all das ist komischerweise nie vorgesehen. Dafür haben wir dann austauschbare beliebige Diagramme, beliebige Folien. Kein Wunder, dass viele Foliendecks gleich aussehen – ganz unabhängig vom Thema. Deshalb funktioniert wohl auch Powerpoint-Karaoke so gut…

Dürfen wir uns überhaupt über Vorgaben hinwegsetzen?

Zitat Sohnemann: „Das geht nicht, das sind jetzt 6 Spiegelstriche. Erlaubt sind nur 5.“

Der Inhalt muss anscheinend der Form folgen.

Manchmal challenge ich den Junior mit der Frage, was willst du mir mit dieser Folie sagen. Die Frage ist gemein uns hat ihm geholfen den einen oder anderen logischen Fehler selbst zu erkennen.

Aber leider ist die Frage auch wieder falsch – wegen Slideument-Falle und so.

Richtig wäre die Frage: Was willst du mit dieser Folie bewirken?

Nur diese Frage wird allzu selten gestellt.

#675 Best of… Das Komplexitätsdilemma

Unterstellen wir ein tatsächlich komplexes Projektvorhaben. Für viele von uns ist Komplexität sogar ein konstituierendes Merkmal von Projekten, bloß dummerweise vergessen wir das sofort wieder, wenn wir ein Projekt in Angriff nehmen. Spätestens mit dem Projektauftrag machen wir uns auf die Suche nach dem eindeutigen Ziel, versuchen den großen Wurf und selbst im agilen Projektmanagement versuchen wir uns diesem Ziel (wenn auch in inkrementalen Schritten) zu nähern.

Diese Negierung der Komplexität erklärt sicherlich auch, warum so viele Projekte scheitern.

Wir brauchen in Projekten mehr „Komplexitätsbewusstsein“. Wir müssen uns der inhärenten Komplexität stellen, ohne künstlich hausgemachte Komplexität, wie im vielfach bekannten und praktizierten Planungs- und Reportingwahnsinn, zu produzieren.

Projektmanagement per se ist ein Paradoxon: Einerseits setzen wir bewusst Projekte auf um komplexe Problemstellungen zu bearbeiten, andererseits blenden wir die Komplexität gleich wieder aus und versuchen uns stattdessen an komplizierten Vorgehensweisen. Und das gilt gleichermaßen für agile und für traditionelle Projektmethoden.
(Hier geht´s zum Original-Post)

#674 Der visualPM im Urlaubsmodus

Der Urlaub ist zwar schon wieder vorbei, aber trotzdem befindet sich der visualPM noch im Urlaubsmodus. Bei einem Besuch bei Fortnum & Mason in London bin ich über einen Weinführer gestolpert, der gleich mein „visuelles Herz“ hat höher schlagen lassen: Wine Folly. Nachdem hier schon von über visuell gestaltete Kochbücher berichtet wurde, braucht es natürlich auch für Wine Folly einen eigenen Blog-Post – aber seht selbst:

#673 Urlaubstweets zur Arbeitssicherheit

#672 Mockups – kinderleicht

Ein Mockup (englisch für Modell oder Attrappe) kommt u.a. in der Software-Entwicklung oder im Webdesign zum Einsatz. Mockups können mit spezieller Software entwickelt werden, aber im Prinzip auch mit Powerwpoint, Visio & Co. Genauso möglich ist natürlich der Einsatz von Papier und Bleistift, Flipchart oder Whiteboard wie im Beispiel hier von Jonas (12 Jahre) der eindrucksvoll die neu auf seinem Tablet installierte Spider-App mit diesem Mockup nachdokumentiert:

Abgesehen von der Tatsache, dass das Beispiel nicht nur zeigt, dass man auch ohne spezielle Werkzeuge grafisch dokumentieren/arbeiten kann, belegt es weiter, dass visuelles Arbeiten kinderleicht ist.

Danke, Jonas!

#671 How to… openPM

Nicht nur für unsere Freunde vom PMCampHH entstand diese kleine Dokumentationsanleitung für das Wiki von openPM. (Einen Vorläufer in Englisch gab es schon mal für das PMCamp Barcelona.) Jetzt fehlen nur noch mehr Mitstreiter. Egal ob nur ein zusätzlicher Link, eine Grafik oder das Fotoprotokoll eine Barcamp-Session. Jeder geteilte Beitrag ist ein Geschenk für die Community! Also: mitmachen!