Wie können Menschen und Organisationen handlungsfähig bleiben, wenn sie die Zukunft weder vollständig vorhersehen noch kontrollieren können?
Diese Frage bildete den Ausgangspunkt der Reihe über Zielarbeit unter Unsicherheit. Begonnen hat sie mit der scheinbar einfachen Formel:
Klares Ziel. Konsequentes Handeln. Flexibler Weg.
Im Verlauf der elf Beiträge wurde diese Formel zunehmend differenziert. Denn nicht immer kennen wir unser Ziel bereits. Ziele wirken nicht allein dadurch, dass wir sie formulieren. Konsequenz kann in Sturheit umschlagen. Pläne können Orientierung geben oder notwendiges Lernen verhindern. Kennzahlen können Fortschritt sichtbar machen oder ihn nur vortäuschen. Und gelegentlich besteht die richtige Entscheidung darin, ein Ziel aufzugeben oder eine unerwartete Möglichkeit zu verfolgen.
Die Beiträge entwickeln deshalb kein geschlossenes Vorgehensmodell. Sie betrachten Zielarbeit als einen kontinuierlichen Prozess, in dem Orientierung, Handeln, Beobachten, Lernen und Entscheiden miteinander verbunden bleiben.
Zielarbeit bedeutet nicht, die Zukunft festzulegen. Sie bedeutet, unter Unsicherheit bewusst handlungsfähig zu bleiben.
Warum Fortschritt auch die Fähigkeit braucht, Ziele aufzugeben
In Projektmanagement-Trainings frage ich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gerne:
Wann ist ein Projekt erfolgreich?
Eine naheliegende Antwort lautet: wenn alle vereinbarten Liefergegenstände in der geforderten Qualität, innerhalb des vorgesehenen Zeitrahmens und ohne Überschreitung des Budgets erstellt wurden.
In time, in budget, in quality.
Man könnte aber auch entgegenhalten:
Ein Projekt ist erfolgreich, wenn der Kunde mit dem Ergebnis zufrieden ist.
Auch das klingt plausibel. Doch was ist, wenn der Kunde zunächst zufrieden ist, das Ergebnis aber später kaum nutzt? Was ist, wenn das Projekt sämtliche Anforderungen erfüllt, aber keinen relevanten Nutzen erzeugt? Und was ist, wenn das ursprüngliche Problem inzwischen gar nicht mehr besteht?
Noch provokanter wird die Frage bei einem Projekt, das vorzeitig beendet wird, weil sich seine Zielsetzung als überholt erwiesen hat:
Kann auch ein abgebrochenes Projekt erfolgreich sein?
Ein Highlight der neuen Homepage der Table of Elements ist die Methodenübersicht. Nicht alle Infos aus Buch oder App aber mehr als ein Vorgeschmack: https://www.table-of-elements.io/de/methoden/
Ich hatte gerade einen interessanten Dialog mit der KI (ChatGPT). Die alte Ausgabe des PMBOK (V. 7 ) habe ich hier schon besprochen. Damit verbunden war eine klare Kontextorientierung, die bisherige Prozessorientierung wurde nicht aufgegeben, aber wanderte in die Anhänge.
Mit der 8. Version kommt ein verzweifelter Rollback.
Aber zu meinem Dialog mit der KI:
ICH: Böse interpretiert würde ich das als ein feiges Zurückrudern einordnen. Die theoretisch/generische Prozessorientierung kommt zurück in den Fokus und weicht den kontextspezifischen Ansatz aus der Vorversion auf. Wie siehst du das?
ChatGPT: Okay. Deine Lesart ist gut begründbar. Ich würde sie nur etwas präzisieren: PMBOK 8 ist weniger ein vollständiges Zurückrudern als ein politisch und kommerziell motivierter Kompromiss, der den konzeptionellen Mut von PMBOK 7 deutlich abschwächt. PMBOK 7 hatte eine starke, wenn auch unbequeme Botschaft: Professionelles Projektmanagement lässt sich nicht durch einen universellen Katalog von Prozessen beschreiben. Es muss aus Prinzipien, Kontext, gewünschter Wirkung und situativen Entscheidungen heraus gestaltet werden. […]
ICH: Also weil die Zielgruppe zu „blöd“ ist ein zurückrudern, um mehr Akzeptanz zu finden?
ChatGPT: Okay. Zugespitzt: Ja – PMI traut seiner eigenen Zielgruppe offenbar nicht zu, mit einem konsequent kontextorientierten Standard produktiv zu arbeiten. „Zu blöd“ trifft es trotzdem nicht ganz. Das Problem liegt auf drei Ebenen:
Das PMI-Geschäftsmodell braucht vermittelbare Inhalte. Zertifizierungsprüfungen, Schulungen und Lehrmaterial funktionieren besser mit benennbaren Domains, Prozessen und Zuordnungen als mit situativer Urteilskompetenz. Kontextkompetenz lässt sich schlechter standardisieren und prüfen.
Viele Anwender wollen Eindeutigkeit. Prinzipien und Kontextentscheidungen verlangen Urteilskraft. Prozessmodelle liefern scheinbar klare Antworten: Was kommt wann, wer macht es, welches Artefakt entsteht? Das vermittelt Sicherheit, selbst wenn sie fachlich trügerisch ist.
Organisationen wollen Standardisierung. PMOs, Beratungen und große Unternehmen brauchen Prozesse, Rollenmodelle, Templates, Audits und Toolkonfigurationen. Ein Standard, der im Kern sagt „Es kommt darauf an“, lässt sich schwer operationalisieren und kontrollieren.
[…]
PMI reagiert darauf, dass ein erheblicher Teil seines Marktes verbindliche Orientierung mit konkreten Prozessen verwechselt – und bedient dieses Bedürfnis, statt die notwendige Kontext- und Urteilskompetenz weiterzuentwickeln.
[…]
Noch schärfer formuliert: Nicht die Zielgruppe ist zu blöd. PMI behandelt sie wie eine Zielgruppe, der man keine anspruchsvolle professionelle Urteilsbildung zumuten kann – möglicherweise, weil sich regelorientierte Sicherheit besser verkauft als reflektierte Unsicherheit.
P.S. noch als kleiner Anhang, die Gegenüberstellung von V. 7 und V. 8
Inhaltliche Verschiebung
PMBOK-7-Prinzip
Behandlung in PMBOK 8
Stewardship
vor allem „Be an Accountable Leader“ und Governance
Highlight sind die Detailseiten zu den einzelnen Elementen. Die detaillierten Schritt für Schritt Anleitungen und mehr Informationen gibt es darüber hinaus in der iOS App PM Elements und in unserem Buch (englische Version in Vorbereitung).
Im Rahmen der Überarbeitung haben wir unseren Poster-Shop geschlossen. Alternativ steht dafür der neue Download-Bereich bereit: Unser Periodensystem gibt es jetzt kostenlos als PDF-Download – in Englisch und Deutsch.
Und noch ein Zuckerl gibt es on Top: Neben dem Methodensystem steht auch ein Projekt Canvas bereit zum Download. Aber dazu demnächst noch mehr.
Für die Table of Elements haben wir eine Reihe von Marketing Grafiken, die wir vor allem auf unserem LinkedIn-Kanal nutzen mit ChatGPT generiert. Gerade bei den zuletzt generierten Grafiken zeigt sich die Entwicklung der KI in diesem Bereich: Die Treffsicherheit bei der Umsetzung der Prompts ist höher, die Grafiken sind viel „fein-granularer“, was ein kleines bisschen doof ist, weil die neue Generation jetzt optisch schon ein bisschen anders aussieht als die ersten Grafiken, obwohl alles im gleichen Projekt läuft und eigentlich die Anschlussfähigkeit klar sein sollte.
Während ich bei der alten Bildgenerierung damit kämpfen musste, dass ich immer älter und älter wurde, während mein Kollege Botta immer jugendlich jung dargestellt wurde, profitieren wir jetzt wenigstens beide vom digitalen Jungbrunnen.
Letztes Jahr erschien im Human Resources Manager ein Beitrag von Bernhard zu den Dos and Don´ts im Projektmanagement. Noch pointierter als dort: hier die KI-Zusammenfassung als Comic.
Drüben auf LinkedIn bin ich über Oliver Gabor und sein Workshop Follow-Up Framework gestolpert. Es ist ganz offensichtlich wieviel mögliche Ergebnisse wir verschenken, weil wir das, was wir mühsam z.B. in einem Workshop erarbeitet haben, nicht konsequent weiterverfolgen. Konsequenz und Nachhaltigkeit sind die Schlüsselworte.
Der gute Oliver hat nun eine Anleitung dazu inkl. Werkzeuge in ein 7 Schritte Framework gepackt:
Team-Scan vor der Umsetzung
Umsetzungs-Navigatoren wählen
Zweiwöchiges Navigator Meeting planen
Arbeiten mit dem Navigator Canvas
Team Scan nutzen, wenn ihr feststeckt
Review nach drei Monaten mit zweitem Team Scan
Übergang in den Normalbetrieb
Der Team-Scan ist ein Online-Fragebogen, der Team-Stärken und Schwächen in den Dimensionen Selbstverpflichtung, Konfliktbereitschaft, Offenheit, Verantwortlichkeit und Zielorientierung analysiert.
Umsetzungs-Navigatoren sind „Kümmerer“, die sich zu einem Thema committen und Verantwortung übernehmen.
Das Navigator-Meeting ist ein geplantes, regelmäßiges Event zur Nachverfolgung.
Dabei kommt der Navigator Canvas als Artefakt zum Einsatz. Nachdem meine Vorliebe für Canvas-Modelle bekannt ist (ich sage nur Business Visualisierung), gibt es von mir hier nur einen Daumen hoch. Zentrale Fragen im Canvas zu jedem Thema sind:
Ziel seit dem letzten Treffen
Was wurde umgesetzt?
Welche Hindernisse traten auf?
Team Scan
Ein Mini-Schritt für die nächsten 2 Wochen
Support oder Entscheide, die benötigt werden
Risiko, falls nichts passiert
Nachdem das regelmäßige Meeting schon versucht für Nachhaltigkeit zu sorgen wird im Canvas versucht die anstehende Arbeit in konkrete nächste Schritte herunterzubrechen.
Die weiteren Schritte sollen schließlich bis zum Übergang in den Normalbetrieb führen.
Natürlich kann man Zielorientierung, Konsequenz und Nachhaltigkeit auch mit anderen Mitteln erreichen. Nur bleiben im Alltag diese oft auf der Strecke und Olivers Framework ist der Versuch deren Umsetzung zu operationalisieren – ganz ähnlich wie das Scrum-Framework versucht Projektarbeit mittels Events und Artefakten zu operationalisieren. Eine begrüßenswerte Herangehensweise. Nicht die einzige. Vielleicht gibt es auch bessere, aber es ist eine gezielte Vorgehensweise um die Nachhaltigkeit sicherzustellen.
Und zu guter Letzt bleibt noch festzuhalten, das Zielorientierung, Konsequenz und Nachhaltigkeit nicht nur in/nach Workshops erstrebenswert sind, sondern auch in vielen anderen Arbeitsformen, aber Olivers Vorschlag ist ein inspirierender Versuch, der sich in Teilen bestimmt auch auf andere Gebiete anwenden lässt.
Kleiner Nachtrag: Hier noch die Links zu Olivers Homepage und dem Download des Frameworks.
Jüngst hat es wieder jemand gesagt. Ein lieber Kollege, den ich sehr schätze.
Das Beste aus beiden Welten ist ein Satz, der mich (negativ) triggert. Natürlich kann man gelbe und rote Bauklötzchen miteinander mischen, aber es geht nicht darum die schönsten gelben und die schönsten roten Klötze zu verwenden, sondern die Steine aus beiden Farben, die dir für dein (Bau-)Projekt am meisten helfen. Die schönsten Steine nutzen dir nichts, wenn du damit nicht dein Haus, deine Brücke oder, was auch immer dein Ziel ist, bauen kannst.
Im Ergebnis ist eine Kombination auch ok, aber eine Kombination ist per se kein Ansatz. Ich bin ein ganz großer Fan von siutativen Ansätzen und es wird dabei häufig auch passieren, dass das Vorgehen hybrid ausfällt, aber das ist Ergebnis und nicht Programm.