Was bloggst du? – Projektmensch

Der Blog:

Projektmensch-Blog  – http://blog.projektmensch.com/

 
Der Kopf dahinter:

„Holger Zimmermann heiße ich und bin Inhaber von „Projektmensch“, einer kleinen Firma am Rande des Schwarzwalds. Wir betreiben Organisationsentwicklung in Sachen Projektmanagement, unterstützen Projektleiter sowie Unternehmensleitung in deren Projekten und werden immer wieder engagiert, um weniger gut laufende Projekte zu retten. Bei unserer Arbeit interessieren wir uns besonders dafür, wie in unterschiedlichsten Situationen gute Zusammenarbeit gelingt. Dazu blogge ich, schreibe Bücher darüber und halte Vorträge zum Thema. Meinen ersten Blog habe ich etwa 1999 veröffentlicht, wobei wir das damals noch nicht „Weblog“ genannt hatten. Den Projektmensch-Blog in der heutigen Form gibt es seit 2009. Wenn ich gerade nicht in Projekten stecke, dann reise ich sehr gerne. Außerdem liebe ich die Fotografie, spannende Bücher und gute Gespräche sowie meine kleine Familie.“

Was treibt dich an zu bloggen?

„Das Schreiben hilft mir, meine Gedanken auf den Punkt zu bringen. Das war schon lange vor der Zeit als Blogger und Autor so. Als die passende Technik zur Verfügung stand, lag es nahe, die Gedanken zu veröffentlichen und so mehr Resonanz zu bekommen. Das ist es, was mich nach vor treibt und was mich reizt. Wobei ich immer wieder überrascht bin, dass die meiste Reaktion in persönlichen Gesprächen kommt und nicht über die Kommentarfunktion. Woran das liegt, habe ich noch nicht herausgefunden.

Wobei ich mit dem Blog und den Beiträgen auch dazu beitragen will, dass sich die Menschen in Projekten leichter tun. Ich hoffe, dass ich dafür nützliche Gedanken liefere. Projektmanagement, oder besser: Projektführung, ist für mich in erster Linie ein Hilfsmittel, um Sonderthemen mit höherer Wahrscheinlichkeit zu einem guten Ergebnis zu führen. Gleichzeitig hilft es, dass es den Menschen in den Projekten besser geht. Projektführung gibt Orientierung, schafft Klarheit und lenkt den Fokus. Viel zu oft sind Projekte für die Macher anstrengend. Dabei könnte es so schön sein, denn mit Projekten kann man das Neue schaffen, Neuland erschließen. Das mag ich. Je undurchsichtiger, je mehr kreative Leistung gefragt ist, desto mehr Freude macht ein Vorhaben. Für das Erschließen des Neuen wird Projektmanagement aus meiner Sicht leider zu selten genutzt. Genauso, wie aus meiner Sicht zu viel über die unterschiedlichen Ansätze („Agil!“ „Klassisch!“) geredet wird, anstatt das zu verwenden, was die Menschen und damit ein Projekt voran bringt.

Gelernt habe ich über die Jahre, dass ein Blog hilft, interessante Menschen kennenzulernen. Das gilt für Kollegen ebenso wie für heutige Kunden und Geschäftspartner. Aus den Blog-Beiträgen sind so Bücher, Projekteinsätze und Vortragsinhalte geworden. Diese Nebeneffekte will ich inzwischen nicht mehr missen.“

Und welche Themen dürfen wir in nächster Zeit von dir erwarten?

„Es sind drei Themenfelder, die mich derzeit besonders bewegen. Zum einen will ich erreichen, dass das Management, die Unternehmensleitung sich bewusst wird, dass sie einen wesentlichen Anteil daran hat, wie gut „das Projektmanagement“ im Unternehmen funktioniert und was sie konkret tun kann. Darüber will ich schreiben. Außerdem forschen wir im Team seit ein paar Monaten an der „Zukunft der Zusammenarbeit“. Hier sind wir der Meinung, dass „New Work“ oder „Zukunft der Arbeit“ zu kurz greifen, denn es geht aus unserer Sicht darum, zukünftige Organisationsformen zu finden und zu etablieren. Das ist mehr als freie Arbeitszeit und Home-Office. Die Rahmenbedingungen haben sich seit der Dampfmaschine unglaublich verändert, unsere Art, Unternehmen aufzubauen jedoch kaum. Das dritte Themenfeld hängt irgendwo dazwischen. Im Moment läuft es bei uns unter der Überschrift „Multi-Projekt-Management“, wobei ich den Titel noch nicht treffend genug finde. Letztlich sind es Strategieumsetzung und Kapazitätsmanagement, die dabei ebenfalls eine Rolle spielen.“

Und was sagt der schlossBlog über Holger und den Projektmensch-Blog?

Der liebe Holger ist einer dieser wertvollen, kollegialen Kontakte, die ich der Bloggerei, den PM-Camps und openPM verdanke. Der Austausch mit solchen Kollegen macht einen Großteil der Motivation aus, dies auch weiter zu tun. Auf schlossBlog habe ich auch schon sein Buch „Projektmanagement im Verlag“ rezensiert.

 

Was bloggst du? ist eine kleine Serie mit Blog-Vorstellungen anlässlich des 10jährigen Bloggerjubiläums von schlossBlog.
Beitrag #696 auf schlossBlog

Was bloggst du? – projekt(B)LOG

Der Blog:

projekt(B)LOG
http://www.pentaeder.de/projekt-blog/

 

Die Themen:

Über Menschen, deren Projekt- und Teamarbeit sowie verwandte Themen. Grundlage aller Beiträge ist die Überzeugung, dass wir mehr Menschlichkeit, mehr Kooperation, weniger Konkurrenz und weniger Management brauchen.

Der Kopf dahinter:

Dr. Eberhard Huber, einst Astrophysiker und Materialwissenschaftler, später Manager in der Software-Entwicklung … heute Projektleiter in Forschung, Lehre und Praxis. Gelegentlich betreue ich Abschlussarbeiten rund um den Themenkomplex Projektmanagement, halte Seminare und Vorlesungen. Neben Coaching im weiteren Sinne verdiene ich mein Geld überwiegend mit der Leitung real existierender Projekte. Ich rede und schreibe nicht nur über Projektmanagement sondern mache es selbst. Ein Stück weit reflektiere ich im Blog 30 Jahre Projekterfahrung.

Was treibt dich an zu bloggen?

Schon als Kind hatte ich den Wunsch irgendwann Artikel oder Bücher zu schreiben. Der Wunsch wurde schon zu einer Zeit erfüllt als es noch kein WWW gab. Demnach war es irgendwie logisch das Schreiben und Publizieren auszudehnen als die technischen Möglichkeiten zur Verfügung standen. Somit bin ich gewisser Weise Blogger der ersten Stunde. Ich habe schon zu verschiedenen Themen wie Politik, Kunst und Wissenschaft gebloggt als das Schlagwort Web 2.0 noch neu war. Insofern lag es auf der Hand, dass ich auch begann über meine beruflichen Erfahrungen in der Projektarbeit zu schreiben. So entstand der projekt(B)LOG. Neben dem projekt(B)LOG gibt es nach wie vor meinen privaten Blog aebbyLOG. http://log.aebby.de

Und welche Themen dürfen wir in nächster Zeit von dir erwarten?

In den letzten Monaten habe ich „methodische“ Wechselbäder erlebt. Das Pendel schwang zwischen reinem SCRUM und V-Modell hin und her. Aktuell arbeite ich in einem Umfeld, das gewissermaßen die Antithese zur Agilität darstellt, andererseits aber zur höchstmöglichen Agilität gezwungen ist. Damit stellt sich folgende Frage „Wie kann in großen, starren Organisation agil in Projekten gearbeitet werden ohne die zwangläufig auftretenden Probleme auf dem Rücken der Mitarbeiter*innen abzuladen?“ In diesem Kontext werden die Begriffe der „minimalinvasiven Agilität“ sowie des Team- und Projektuhrwerks eine wesentliche Rolle spielen.

Und was sagt der schlossBlog über Aebby und den projekt(B)LOG?

Unter den Projektmanagement-Bloggern ist Eberhard für mich so etwas, wie der sanfte Weise. Andere bloggen vielleicht „lauter“, aber Eberhard hat etwas zu sagen und zuhören lohnt sich. Auf einer ganzen Reihe PM-Camps, im Hotel, in seinem Blog oder auf openPM habe ich neben seiner fachlichen Kompetenz auch Eberhard als Mensch schätzen gelernt. Danke, Eberhard!

 

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Beitrag #695 auf schlossBlog

PM-Zertifizierungen

Zertifizierungen (nicht nur im Projektmanagement) sind ein leidiges Thema. Eigentlich eine gute Idee, mittlerweile häufig zu einem eigenen Geschäftsmodell verkommen.

Für den, der es braucht, haben die Kollegen von InLoox jetzt die drei gängigen Zertifizierungen von GPM, PMI und Prince2 vorgestellt und zusammengefasst:

#691

Was bloggst du? – Führung erfahren!

Der Blog:

www.fuehrung-erfahren.de

Die Themen:

Führung, Agilität, Projektmanagement, Digitalisierung, Neue Arbeit

Der Kopf dahinter:

„Mein Name ist Marcus Raitner. Ich blogge seit sechs Jahren. Hauptberuflich leite ich IT-Projekte und begleite die Veränderung von Organisationen hin zu mehr Agilität. Mein Motto dabei lautet: Zusammenarbeit gestalten auf Augenhöhe. Ich bin seit der ersten Stunde Mitglied des Organisationsteams des PM Camps Dornbirn, wo die PM-Camp Bewegung 2011 begann. Dort habe ich zusammen mit einigen Mitstreitern openPM gegründet. Zusammen mit Bernhard führe ich den Trägerverein openPM e. V. seit der Gründung. Ich bin verheiratet und stolzer Vater zweier kleiner Töchter.“

Was treibt dich an zu bloggen?

„Frei nach Heinrich von Kleist ist das Bloggen für mich das allmähliche Verfertigen den Gedanken beim Schreiben. Es dient mir zum Nachdenken, Reflektieren und Verarbeiten von Erlebtem im Dialog mit meinen Lesern. Neben dieser Funktion der “Seelenhygiene” schätze ich das Bloggen, als integraler Bestandteil von Social-Media, weil ich dabei unglaublich viele interessante Menschen kennen lerne wie nicht zuletzt Bernhard.“

Und welche Themen dürfen wir in nächster Zeit von dir erwarten?

„Während meine Beiträge sich lange Zeit um Projektmanagement und Führung drehten, kamen in den letzten Jahren immer mehr Themen der Organisationsentwicklung hoch. Allen voran die Frage, wozu und wie Organisationen anpassungsfähiger und agiler gestaltet werden können. Projekte spielen dabei eine immer geringere Rolle, weil die Veränderung nicht mehr als Ausnahme gehandhabt werden kann, sondern zur Regel wird. Entsprechend weniger blogge ich derzeit zu Themen des Projektmanagements. Geblieben sind und werden immer bleiben die Themen Führung, Werte und Haltung.“

Und was sagt der schlossBlog über Marcus und Führung erfahren?

Also der Marcus hat mir ganz schön was eingebrockt! Kannte man sich zunächst nur aus ein paar Blog-Kommentaren, hat er mich in einer dieser Online-Diskussionen in einen Strudel hineingezogen, an dessen Ende wir nun beide als Vorstand bei openPM mitwirken und das funktioniert kongenial. Ich darf Marcus im besten Sinne als einen Mitstreiter bezeichnen. Und die Lust und das Interesse an den gemeinsamen Themen lässt nicht nach. In seinem Blog versucht er vor allem Führungsthemen in unserer projektgetriebenen Welt aufzugreifen. Immer eine Leseempfehlung.

 

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Beitrag #690 auf schlossBlog

#675 Best of… Das Komplexitätsdilemma

Unterstellen wir ein tatsächlich komplexes Projektvorhaben. Für viele von uns ist Komplexität sogar ein konstituierendes Merkmal von Projekten, bloß dummerweise vergessen wir das sofort wieder, wenn wir ein Projekt in Angriff nehmen. Spätestens mit dem Projektauftrag machen wir uns auf die Suche nach dem eindeutigen Ziel, versuchen den großen Wurf und selbst im agilen Projektmanagement versuchen wir uns diesem Ziel (wenn auch in inkrementalen Schritten) zu nähern.

Diese Negierung der Komplexität erklärt sicherlich auch, warum so viele Projekte scheitern.

Wir brauchen in Projekten mehr „Komplexitätsbewusstsein“. Wir müssen uns der inhärenten Komplexität stellen, ohne künstlich hausgemachte Komplexität, wie im vielfach bekannten und praktizierten Planungs- und Reportingwahnsinn, zu produzieren.

Projektmanagement per se ist ein Paradoxon: Einerseits setzen wir bewusst Projekte auf um komplexe Problemstellungen zu bearbeiten, andererseits blenden wir die Komplexität gleich wieder aus und versuchen uns stattdessen an komplizierten Vorgehensweisen. Und das gilt gleichermaßen für agile und für traditionelle Projektmethoden.
(Hier geht´s zum Original-Post)

#670 Projektmanagement Missverständnisse

Immer wieder gerät man in Projektmanagement-Grundsatzdiskussionen, die letztlich auf grundlegenden Missverständnissen beruhen:

(1) Projektitis – Alles  wird zum Projekt

Natürlich kann man PM-Werkzeuge auch für Nicht-Projektmanagementaufgaben sinnvoll einsetzen, aber bitte mit Sinn und Verstand. Wenn alles – jeder Auftrag, jede Aufgabe – zum Projekt wird und einer vollständigen Projektsystematik unterworfen wird, dann ist der bürokratische Super-Gau vorprogrammiert.

(2) Falsch aufgesetzte Projekte

Wenn ich an einem Projekt beteiligt bin, heißt das noch lange nicht, dass ich für mich dafür ein eigenes Projekt aufsetzen muss. Letztlich gibt es nur ein Projekt und die Projektmananagement-Systematik sollte klar den Verantwortlichkeiten folgen.
Ein konkretes Beispiel: Als Berater in einem IT-Projekt stößt meine eigene Projektplanung an ihre Grenzen, wenn ich die Arbeit von Fachabteilung und IT-Servicemanagement mit plane, obwohl ich die dort anfallenden Aufgaben nicht aussteuern kann, sondern auf den Good-Will der Beteiligten angewiesen bin. Mache ich den Fehler trotzdem Termine für diese Zuarbeiten ohne das Commitment der Beteiligten auszuweisen, werde ich mich für jede Terminänderung in meiner Planung rechtfertigen müssen, ob ich sie zu verantworten habe oder nicht. Und die von mir ausgewiesenen Termine/Planungen könnnen möglicherweise bei anderen Beteiligten wiederum zu Fehlschlüssen führen, wenn sie sich auf diese nicht belastbaren Angaben verlassen. Werde ich möglicherweise von dritter Seite genötigt eine solche Planung auszuweisen (also eine Mischung aus (1) und (2)), dann liefere ich nicht nur inhaltlichen Unsinn, sondern bediene auch noch unnötige und irreführende Formalismen.

(3) Nicht aufgesetzte Projekte

Der dritte Fall sind Projekte, die nicht als solche behandelt werden. Wieder ein Beispiel: Die Entwicklung einer IT-Applikation ohne Projektstrukturen. Ohne definierte Verantwortlichkeiten sind Probleme vorprogrammiert. Auch wenn sich jeder der Beteiligten bemüht: Geteilte Verantwortung ist keine Verantwortung. Wenn jeder unkoordiniert seinen Beitrag leistet, besteht die Gefahr von Stückwerk. Die alte Geschichte von vielen Köchen und dem Brei.
Und bitte diese Forderung nach klaren Strukturen nicht als hierarchisches Modell missverstehen: Klare Verantwortlichkeiten gibt es auch im Agilen und in der Unternehmensdemokratie. Auch hier gibt es klare Rollen und Aufgabenverteilungen. Klare Strukturen statt Beliebigkeit!

#624 Gelesen: Projektmanagement im Verlag

 

Holger Zimmermann, Projektmanagement im Verlag, Berlin, Boston 2014, ISBN 978-3-11-032377-1

 

Wie Douglas Adams Leser wissen, hat sich der Hitchhiker gegenüber der Encyclopedia Galactica im Wesentlichen durchgesetzt, weil auf seinem Umschlag in großen, freundlichen Buchstaben steht: DON`T PANIC! Wenn mich jemand fragt, worin sich „Projektmanagement im Verlag“ von anderen guten Projektmanagement-Einführungen unterscheidet, dann würde ich ganz im Sinne Adams antworten: Mit seinem Verweis auf openPM!

Ist ja auch kein Wunder – Holger ist eines unserer Gründungsmitglieder bei openPM und sein Buch ist eine sehr solide Einführung in „klassisches“ Projektmanagement. Den zweiten Teil des Titels „…im Verlag“ kann man getrost streichen. Was inhaltlich beschrieben wird, ist vollkommen branchenunabhängig, lediglich die Beispiele und einzelne Randbemerkungen entstammen der Verlagswelt („Neue Buchreihe mit Webportal“), das ist aber keine Schwäche, ganz im Gegenteil. Umfang und Detaillierung sind vollkommen angemessen. Es handelt sich nicht um ein allumfassendes Nachschlagewerk, sondern um eine verständliche Einführung. Der Lernende wird nicht mit schierer Masse erschlagen, sondern intelligent mit vielen wegweisenden und mitunter auch relativierenden Hinweisen durch die Materie geführt.

Sehr gut gefallen haben mir die 32 Fragen, die durch das Buch (und durch Projekte) führen. Weiter gefallen haben mir die Abgrenzungen zwischen Routineprozess und Projekt, die Nutzung von Routineprozessen in Projekten (z.B. bei der Buchhaltung) und die Verantwortung in Projekten und in Routineprozessen.

Ein bisschen scheint mir das Buch technisch orientiert und etwas planungslastig, auch wenn ein nochmaliger Blick ins Inhaltsverzeichnis eigentlich eine ausgewogene Mischung zeigt. Aber keine Angst – Holger kennt sehr wohl die Grenzen der Planung, Es finden sich zahlreiche kluge Hinweise, die Einsatz und Zweck relativieren:

„Projektplanung ist nicht mehr und nicht weniger als gemeinsames, systematisches Nachdenken darüber, wie die Projektziele erreicht werden könnten.“

Dem würde auch kein Verfechter eines agilen Projektmanagement widersprechen, der eine solche Planung halt nur auf den nächsten Sprint beschränken würde.

„Sinn eines Projektplans ist nicht die Einhaltung des Plans. Ein Plan ist ein Hilfsmittel, […]“

Es geht um eine pragmatische Planung. es geht nicht um Vorgaben sondern und Abstimmungsprozesse. Planung ist auch nicht elitär, sondern sollte alle einbeziehen („gemeinsames Nachdenken“).

Das Buch folgt dem Projektablauf, von der Auftragsklärung inkl. Risiken und Projektzielen, Projektplanung, Projektsteuerung bis zum Projektabschluss. Etwas unglücklich finde ich dabei, dass einige Themen, wie Rollen, Stakeholder oder die Projektkommunikation die durchgehend relevant sind, dabei erst im Kapitel Projektsteuerung erläutert werden. Das führt bei mir wahrscheinlich zu diesem falschen Eindruck der Überbetonung von Planung. Einem PM-Anfänger würde ich auf jeden Fall als weitere Lektüre beispielsweise Projektführung für Profis von Berta Schreckeneder ans Herz legen. Dort werden genau die anderen Facetten abgedeckt. (Und für den Spaß natürlich Tom De Marcos „Der Termin„).

Das Buch enthält einige (Formular-)Vorlagen, die QR-Codes führen dann aber in einen Webshop, in dem diese käuflich erworben werden können.

Im letzten Kapitel vor dem Schlusswort skizziert Holger noch wie ein Projektmanagement-Standard in ein Unternehmen (Verlag) eingeführt werden könnte, von der Definition eines Projektmanagement-Prozesses, der Qualifizierung der Mitarbeiter bis hin zu Pilotprojekten.

Agiles Projektmanagement spielt in dieser Einführung kein große Rolle, wenn gleich Holger treffend deren Qualitätsorientierung durch die Fokussierung auf funktionsfähige Resultate beschreibt, aber agil ist halt noch viel mehr, auch wenn die damit verbundene Grundsatzdebatte das einen PM-Newbie vielleicht an dieser Stelle nur abschrecken würde.

#582 Gelesen: Projektführung für Profis


Leider ist der Titel etwas beliebig, aber damit ist auch schon alles Negative, was man über diese Buch sagen könnte, erschöpft, denn Berta C. Schreckeneders Buch ist eines der besten Projektmanagement-Bücher, die ich bislang in Händen gehalten habe.
Ihr gelingt ganz ausgezeichnet der Spagat zwischen Praxis-relevant, wissenschaftlich fundiert und praktischen Methodenhilfen. Andere Bücher beschränken sich meist auf eines dieser Felder, umso bemerkenswerter ist „Projektführung für Profis„. Es werden drei ganz zentrale Themenkomplexe aufgegriffen, die aus Sicht einer Führungskraft reflektiert werden:

  1. Das Spannungsfeld zwischen Projekt und Linie
  2. Erfolgreich und gesund (herbei geht es v.a. um meine Lieblingsthemen: Erfolg und Scheitern – des Projektes und der eigenen Person)
  3. Kultur und Kompetenz (Sprich: Projektkultur – für viele leider immer noch ein Fremdwort)

In einem vierten Abschnitt, dem Handbuch, werden die Methoden, Übungen und Lernfelder aus den vorangegangenen Kapiteln noch einmal – sozusagen als Nachschlagewert und Arbeitsvorlage – zusammengefasst.

Mit diesen praktischen Übungen, eingebettet in einen fundierten Hintergrund liefert Berta C. Schreckeneder gleichzeitig auch eine der besten Vorlagen zum Thema Projektcoaching, die durchaus auch zu einem Selbstcoaching geeignet sind.

Eine ganz klare Leseempfehlung für Führungskräfte und Projektarbeiter!

#579 Gelesen: Der Projektkapitän


Wieder ein Buch bei dem es um innere Haltung geht, um Führung und um Entscheidungen unter Unsicherheit. Olaf Hinz hat gar nicht den Anspruch ein umfassendes PM-Lehrbuch zu liefern, sondern fokussiert stark auf den Aspekt der Führung und die liegt auf unserem ollen Projektkahn, aber genauso auch bei super-modernen Projekttankern oder kleinen schicken Projekt-Jachten in der Hand des Projektkapitäns. Olaf schenkt uns ein Metaphernbuch voller Schätze an seemännischen und nicht-seemännischen Projektmetaphern.

Hier ein paar Beispiele solcher Bonmots:
• „ An Deck hat der Kapitän das Kommando, an Land der Reeder.“
• „Es gilt das ‚Ohr auf der Schiene zu haben‘ und frühzeitig zu reagieren.“
• „Politiker erhalten 100 Tage Schonfrist, wenn sie ein Amt antreten – ein Projektleiter muss sofort volle Leistung bringen.“
• „Alle Mann an Bord – Motivation und Teamarbeit dank Sinn und Zusammenhang“
• Gruppendynamik – „Denn diese ist wie das Wetter – immer da.“
• „Helden sind Getriebene“
• „Streng nach Plan geführte Projekte sind wie in die Dose gepresstes Fleisch in Form gebracht und in Struktur gepresst! (…). Dem Dosenfleisch fehlt die Würze des aktuellen Kontextes und die Kommunikation mit und aus dem Umfeld.“

Olaf durchschifft mit uns die klassischen Themen von der Auftragsklärung, der Projektkommunikation, smarten Zielen, Motivationstheorien bis hin zum Umgang mit Komplexität. Hier macht er sich insbesondere stark für ein Rückkoppelungsmodell an Stelle eines starren linearen Denkmodells. Eine Herausforderung sind hier z.B. unentscheidbare Entscheidungen:

„Hier muss die Führungskraft Mühe und Risiko des Entscheidens selbst übernehmen. Das heißt: In einer Situation, in der ein festgelegter Regelprozess nicht greift, werden Fachleute verschiedene Vorschläge entwickeln, was zu tun ist. Jeder Vorschlag leuchtet in gewisser Weise ein, der Führungskraft werden am Ende zwei oder drei durchaus plausible Alternativen. Und die Mitarbeiter werden drängen: ‘Wie machen wir es denn jetzt, Chef?‘ Und der muss dann eine unentscheidbare Entscheidung treffen. Das bedeutet, dass er unter Unsicherheit handelt und das Risiko trägt.“

Als Fazit zieht Olaf sechs Leitsätze heran, die es braucht um ein Projekt auf Kurs zu halten:
1. Variantenreiche Führung und klare Rollen verhindern Schlagseite
2. Nur wer aktiv kommuniziert, kann auch das Ruder in der Hand haben
3. Sinn und Zusammenhang, d.h. die Motivation der Besatzung bestimmt das Tempo
4. Bei wechselnden Winden an das Kreuzen denken
5. Heldentum ist tapfer aber meist nicht klug
6. …und: Projekte führen bedeutet: Es kommt immer noch was nach!

„Der Projektkapitän“ ist nicht so etwas wie ein Werkzeugkasten, sondern eher eine Denkschule, die zur Reflexion einlädt.

Olaf Hinz, Der Projektkapitän: Mit seemänischer Gelassenheit Projekte zum Erfolg führen, Wiesbaden 2013, ISBN-13: 978-3-658-01450-6
Überarbeitete und erweiterte Neuausgabe des Titels: „Sicher durch den Sturm – so halten Sie als Projektmanager den Kurs“, erschienen im Orell Füssli Verlag

#353 Erfolgsfaktoren im Risikomanagement

Andeas Heilwagen beschäftigt sich mit Erfolgsfaktoren im Risikomanagement. Sein Beitrag ist Einführung und Zusammenfassung zugleich und wie die meisten seiner Threads absolut lesenswert. Anlaß für seinen Beitrag war eine ungewöhnliche Kundenachfrage, die es eben nicht bei der meist üblichen Alibi-Veranstaltung (Andreas spricht von Placebo-Risikomanagement) beließ, sondern das Thema mit dem nötigen Ernst und nicht nur als Feigenblatt betrachtete. Leider teile ich Andreas Erfahrung: In vielen Projekten findet Risikmanagement bestenfalls pro forma statt. Es fehlt an Risiko- und Qualiätsbewusstsein. Risikomanagement eignet sich hervorragend für gegenseitige Schuldzuweisungen oder als Lebensversicherung (etwas direkter auch als cover-your-ass bezeichnet).

Wie bei fast allen Dingen im Projektmanagement geht es auch im Risikomanagement nicht um ein bürokratiches Procedere, sondern um eine Kultur, die wenn sie als solche auch gelebt wird und nicht nur als lästige Pflichtveranstaltung betrachtet wird, auch andere PM-Dsziplinen, vor allem aber den Projekterfolg voran bringt.

Weitere Beiträge zum Thema Risikomanagement auf schlossBlog finden Sie hier.