#609 visualPM: klassisch, agil – Design Thinking

Auch wenn wir hier etwas einseitig auf die Prozessperspektive des Design Thinking blicken, so ist das doch ein hilfreicher Ansatz um auch Projektmanagement-Schulen zu reflektieren.

Das „klassische“ PM unterstellt fast schon tayloristisch den „one best way“ zum Projektziel, der anfangs geplant und dann konsequent sequentiell in einem Wasserfallmodell abgearbeitet wird. Dieses Bild ist natürlich stark vereinfacht, denn auch die „agilen“ Oesterreich und Weiß weisen bereits darauf hin, dass die Väter des Wasserfallmodells durchaus (Rück-)Sprünge zwischen Prozesschritten/-phasen gesehen haben.

Im agilen PM wird die Idee der Umsetzung auf dem direkten Weg in einem großen Wurf aufgegeben. Der Fokus bleibt zwar auf der Umsetzung einer Lösung, aber nicht auf der Umsetzung eines großen Plans, sondern auf der Umsetzung der Anforderungen im Backlog in vielen kleinen Schritten/Iterationen. Iteratives Vorgehen lässt bewusst Platz für permanente Changes, die den klassischen PM doch in Verzweiflung treiben. Schrittweises Vorgehen und die permanente Integration erlauben von Anfang an einen Lernprozess. Risiken werden durch die laufende Integration minimiert, da Fehler schnell erkannt werden und korrigiert werden können. Änderungen können problemlos in den laufenden Prozess einfließen. Was gerne vernachlässigt wird ist aber, dass agiles PM auch einige implizite Annahmen mit sich bringt, z.B. bzgl. der Skalierbarkeit von Anforderungen/Features und der Skalierbarkeit des Teams.

Während diese beiden Ansätze also auf die Umsetzung von Anforderungen fokussieren, fokussiert Design Thinking auf den kreativen Prozess, auf die Gestaltung und Problemlösung. Wir entwickeln ja erst die Lösung und auch nicht die EINE Lösung, sondern möglicherweise erst einmal eine ganze Reihe verschiedener Lösungsansätze, die wir parallel verfolgen und weiterentwickeln, bevor wir uns für eine Variante entscheiden. Wir suchen quasi die Lösung für ein komplexes Problem, statt von Anfang an einen mehr oder weniger komplizierten Plan zu verfolgen.

STOP. Denkpause.

Aber eigentlich ist doch Komplexität ein konstituierendes Merkmal der Projektdefinition. Heißt das dann nicht im Umkehrschluss, dass wir im Projektmanagement (egal ob klassisch oder agil) auf der Suche nach dem einen Weg zum Ziel die Komplexität (trotz besserem Wissen) ignorieren bzw. vernachlässigen?

Kein Wunder, dass so viele Projekte scheitern…

Umgekehrt benötigt der kreative Prozess aber Freiraum, Zeit und Ressourcen. Er ist vielleicht effektiv, aber möglicherweise nicht so effizient, wie es sich der eine oder andere Stakeholder erhofft.

Folgende Grafik skizziert noch einmal die drei Herangehensweisen, vom klassischen direkten Weg zum Projektziel, über das agile Herantasten, bis hin zur parallelen Entwicklung von Lösungsalternativen im Design Thinking:


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