Konzernkommunikation & Agilität

Konzernkommunikation über Agilität hat mitunter eine unfreiwillig komische Note:

„Die Unit XYZ bekommt ein agiles Mindset“

Autsch, man bekommt also ein Mindset verordnet, dabei hat man das oder entwickelt es, aber per order di mufti.

Stirnrunzeln.

Ebenfalls sehr beliebt: euphorische Begeisterungselogen.

Hallo Kollegen, vielleicht mal eine Retrospektive in den eigenen Reihen gefällig?

Agilität ist gut, aber kein Wundermittel. Und so ein unkritischer, verkäuferischer Umgang mit ihr schadet der Sache mehr als dass es ihr dient.

#679 Fehlerkultur & Resilienz in Projekten

Fehlerkultur und Resilienz tauchen als Begriffe immer häufiger auf und erweisen sich in komplexen Aufgabenstellungen als erfolgreiche Strategie.  Wenn wir schon nicht alles planen und steuern können, dann können wir uns wenigstens auf die Unzulänglichkeiten des Lebens hinreichend vorbereiten. Das gilt in Ausnahmesituationen, ebenso wie im Unternehmensalltag oder in Projekten.

Resilienz mag der Überbegriff sein, aber die Fehlerkultur, als die Art und Weise, wie wir mit Fehlern umgehen ist ein wesentlicher Bestandteil, der zur Resilienz beiträgt. Ein wunderschönes Beispiel dafür, was Fehlerkultur ist, liefert ein Beitrag von Impulse über Fehlermanagement in der Luftfahrt oder: Was Unternehmer von Piloten lernen können.

Und was können sie lernen?  – Das Fehler ganz normal sind und dazu gehören, aber wir können uns auf sie vorbereiten und wenn wir vorbereitet sind, zwingt uns nicht der einzelne Fehler, sondern erst die unglückliche Verkettung mehrerer Fehler in die Knie.

Die Schuldfrage/Cover-your-ass sind unternehmenspolitische Machtspielchen, die nur leider jeden anderen Zweck verfolgen als den Projekterfolg. Mit Fehlerkultur haben sie nichts zu tun. Eher Unkultur…

Resilienz (von lat. resilire ‚zurückspringen‘ ‚abprallen‘) oder psychische Widerstandsfähigkeit ist die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und sie durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen.
(Wikipedia)

Resilienz ist wohl auch eines der Merkmale agilen Projektmanagements, dass dieses so populär macht. Ein zweiter Faktor, der damit Hand in Hand einhergeht sind Kommunikation & Transparenz. Gerade im agilen Projektmanagement werden viele Kommunikationsformen mit Ritualen verstärkt und etabliert. Und last but not least ein spezielles Menschenbild, obwohl das bei der zunehmenden Verbreitung agiler Ansätze immer häufiger vergessen wird. Überhaupt wird der Begriff „agil“ mittlerweile inflationär gebraucht – missbräuchlich gegenüber der ursprünglichen Idee.

Nichtsdestotrotz: Die Erfolgsfaktoren hinter erfolgreichem agilen Vorgehen sind also Kommunikation, Transparenz und Resilienz und auch klassisches Vorgehen kann genauso erfolgreich sein, wenn diese Erfolgsfaktoren gegeben sind. Projekterfolg ist also weniger eine Frage des Vorgehensmodells (agil oder klassisch) als eine Frage der Umsetzung dieser Erfolgsfaktoren (Transparenz, Kommunikation und Resilienz).

#570 Best of… VisualPM

Auch wenn wir bei der Nummerierung erst bei 570 Beiträgen auf schlossBlog sind – de facto ist gerade die 600er Marke gefallen. Zeit auch in den vergangenen Beiträgen zu stöbern – Zeit für ein „Best of…“ .

In nächster Zeit werde ich daher immer wieder ein „Best of…“ einstreuen, um bisherige Inhalte wieder in den Fokus zu holen.

Und den Anfang macht „Best of… VisualPM“ – allein schon deshalb, weil ich seit einer Weile mit dem Gedanken spiele das Thema Visualisierung auf openPM zu thematisieren. Die Kraft der Visualisierung ist vielleicht nur mit der Kraft des Storytelling vergleichbar. Sie gibt uns ein mächtiges Werkzeug an die Hand.

Hier was bisher (auf schlossBlog) dazu geschah:

Und auch schon vor Beginn der Reihe gab es einen Beitrag in diesem Sinn:

#558 PM-Reader

Ein paar aktuelle Beiträge für PM-Interessierte:

Marcus Raitner hat auf seinem Blog Führung-erfahren eine kleine Reihe zum Thema „Projektplanung 101“ gestartet. Bisher erschienen sind Arbeitspakete richtig schneiden, Verknüpfungen setzen, Ressourcen zuteilen und Meilensteine. Jetzt müssen wir Marcus nur noch motivieren, die Inhalte auch in openPM einzuarbeiten…

Kommunikation ist DER Erfolgsfaktor in Projekten, nur vergessen wir das immer wieder. Reinhold Wagner zitiert im GPM-Blog eine aktuelle Studie zur Projektkommunikation und philosophiert über unser Fehlverhalten wider besseres Wissens in der Kommunikation.

In der Computerwoche gibt es einen Aufruf zum Tabubruch: Mehr Mut zum Projektabbruch. Thomas Brustbauer fordert dort eine entsprechende „Fehler-Kultur“.

Über Geschmack lässt sich streiten, aber wem es gefällt: SCRUM-Poster im Anime-Stil.

In eigener Sache:
Nachdem es früher hier schon eine lose Reihe VisualPM gab, die sich mit Visualisierungstechniken im Projektmanagement beschäftigt und zuletzt der Beitrag zur openPM-Canvas auch wieder sehr gut in diese Reihe gepasst hätte, werde ich in nächster Zeit die VisualPM-Reihe mit weiteren Artikeln wieder aufleben lassen.

#522 PM als Commodity?

In Peter Taylors kostenlosem eBook „The lazy project manager and the project from hell“ bin ich über den folgenden Absatz gestolpert:

Does everybody ‚do‘ project management these days, then? Perhaps it is because project management is just a commodity? Maybe everybody does do project management now…

Ist Projektmanagement wirklich ein Commodity – also ein Gebrauchsgut, eine Massenware, aber auch eine Selbstverständlichkeit?

Gunter Dueck warnt uns vor der Commodity-Falle: Das Mittelmäßige wird Commodity.

Ist Projektmanagement also etwas mittelmäßiges?

Zweifelsohne bekommen immer mehr Themen um uns herum das Label „Projekt“ aufgedruckt. Vielleicht nicht immer zu Recht. Die Projektitis, der inflationäre Umgang mit dem Projektbegriff greift immer mehr um sich. Wenn man die Projektausschreibungen z.B. in Börsen wie GULP näher analysiert, dann ist Projektmanagement schon lange kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Dann ist Projektmanagement nur ein zusätzliches Skillset, das auch erwartet wird. Projektmanagement verkommt dabei aber auch zu einem Terminus Technicus, der Ur-Tugenden wie Kommunikation und Problemlösungsdenken in den Hintergrund drängt und Methodenkenntnisse überbewertet.

Projektmanagement  als Commodity zu betrachten (wie es in vielen Unternehmen heute an der Tagesordnung ist) ist eine Fehlinterpretation.

Projektmanagement ist gerade KEIN Commodity, keine Selbstverständlichkeit.

Kommunikations und Problemlösungsdenken sind immer wieder aufs Neue gefordert und lassen sich nicht einfach durch einen Werkzeugkoffer ersetzen.

In diesem Sinn finde ich auch Diskussionen wie klassisch vs. agil belanglos, denn dabei wird lediglich über Werkzeugkoffer, aber damit auch am Kern der Sache vorbei, diskutiert.

Mittelmäßige Projektmanagement-Umsetzungen (egal ob klassisch oder agil), wie wir sie häufig vorfinden, befinden sich tatsächlich in der Commodity-Falle!

518 Projektcoaching

Nicht nur bei Marcus Raitner sondern auch im letzten Coaching Newsletter geht es um das Thema Projektcoaching. Soft Skills wie Coaching sind in meinen Augen die Geheimwaffen in jedem Projekt. Bei allen Hard Facts, Meilensteinen, KPI´s, Earned Value & Co – entscheidend sind andere Dinge. Projekterfolg ist vor allem abhängig von Transparenz & Kommunikation. Und gerade da hilft uns Coaching weiter: In der Auseinandersetzung mit komplexen Problemen, in Konfiktsituationen oder auch „nur“ bei der Selbsteinschätzung und Reflexion.

#481 Social Media: The times they are a changing

Nicht erst seit Google+ ändert sich so einiges in der schönen neuen Social Media Welt. Matthias von bwl zwei null sinniert über den Kommunikationswandel und fragt provokant, ob sich Blogs in der Defensive befinden. Seiner Meinung nach sind Blogs zunehmend in thematischen Nischen gelandet (trifft auch für schlossBlog zu). Social Networks machen den Blogs Konkurrenz (soweit d´accord) und dort werden Themen lieber in geschützten Räumen diksutiert. Letzteres kan ich nicht bestätigen, werden wir doch von allen Seiten permanent „bezwitschert“ und auch in den geschützten Räumen wie Foren oder Gruppen (z.B. bei XING) empfinde ich eher einen Rückgang der qualitativen Beiträge.

Ich sehe hier eher ein Problem der Trivialisierung. Der Like-Button ersetzt das Nachdenken. Die Blogosphere scheint darüber hinaus an Ermüdungserscheinungen zu leiden. Der Hype ist vorbei.

Doch wieder zu Matthias: Die Grenzen zwischen traditionellen Medien (auch deren Internet-Ablegern) und der Blogosphere sind nach wie vor weitgehend unüberwunden. „Auch Fachmedien verlinken nicht auf Blogs.“ (Stimmt leider.)

Die zurückbleibende Entwicklung der Blog-Software, wie von Matthias bemängelt, sehe ich nicht als Grund, denn schon heute hat beispielsweise WordPress einen Funktionsumfang erreicht, der von den weingsten Blogs auch nur annähernd ausgeschöpft wird. Ich sehe die Probleme eher bei den Blog-Inhalten (den Ermüdungserscheinungen, der abnehmenden Verlinkung, den absterbenden Kommentaren,…) – als bei der Form.

Matthias stellt treffend fest, dass Blogs „…immer weniger soziale Knoten im Netz…“ sind „…und dafür immer mehr (nur) Lieferanten für Inhalte…“ werden.

Reduziert man (wie Matthias) Blogs auf die Rolle als Content Provider, so erklärt die Verflachung auch den Rückgang der Relevanz der Blogs.

Upps, dieses Fazit nach der Lektüre von Matthias Thread hört sich fast nach Sinnkrise eines Bloggers an, aber keine Angst: Auf schlossBlog geht es weiter! Zumindest in der Nische…

 

#448 Der PM-Wasserkopf und der agile Ansatz

Kennen Sie das leidige Thema Projektmanagement- und Koordinierungsaufwand in einem Projekt?

Aus eigenen Projekten kenne ich entsprechende, meist politisch geführte Diskussionen („Was? So viel Aufwand für unproduktive Tätigkeiten?“) mit den Stakeholdern, die dann meist darauf rauslaufen, dass für diese Tätigkeiten pauschal 10-15% des Gesamtaufwands im Planungsansatz akzeptiert werden – unabhängig vom tatsächlichen Aufwand (ggf. werden Aufwände in anderen Arbeitspakete verschleiert oder dienen als Puffer).

Sicherlich hängt der Aufwand ganz entscheidend ab von der Komplexität der Anforderung und dem Projektumfang (Ist die komplette Planungsphase eingeschlossen oder nicht, wie stabil und detailiert sind die Anforderungen,…?) . Über entsprechdende Erfahrungswerte findet sich z.B. ein schon etwas älterer Thread im Forum des Projektmagazins.

Wenn ich mich mit agilen Methoden á la Scrum auseinandersetze fällt mir auf, dass dort der entsprechende Aufwand noch weit höher liegt, aber nicht explizit thematisiert wird. Er ist zum Einen in den Rollen des Scrum Masters und des Product Owners zu verorten, aber auch im Team im Rahmen der institutionalisierten Meetings, der Teambeteiligung an Sprintplanung, Aufwandsschätzung und Retrospektive. Ich kenne kaum klassische Projekte in denen so detailliert und granular geplant, geschätzt und getrackt wird, wie in agilen Projekten.

Sind agile Projekte also verschwenderischer? Oder sind sie vielleicht gerade deswegen produktiver?

Geht es in diesen Aufgaben (sofern man ein Projekt nicht nur bürokratisch verwaltet) nicht gerade um Kommunikation und Transparenz?

Sind nicht Kommunikation und Transparenz ein wesentlicher Erfolgsfaktor in jedem Projekt – egal ob klassisch oder agil?

Investieren agile Projekte an dieser Stelle schlichtweg cleverer?

Comments welcome!

#437 Nachtrag: Agile Softwareentwicklung mit verteilten Teams

In Beitrag #435 von der Scrum-Konferenz bin ich noch die Inhalte von Jutta Ecksteins Podcast schuldig geblieben:

Die Zeiten eines Outsourcing und Offshoring in der Software-Entwicklung aus reinen Kostengründen sind aus ihrer Sicht vorbei, denn Spezifikationsaufwand, kulturelle Unterschiede und die erforderliche Kommunikation bergen erhebliche Risiken. Wer rein aus Kostengründen outsourct, wird vom Ergebnis in der Regel enttäuscht sein, so ihr Fazit.

Gründe, die auch heute dafür sprechen sind Personal-/Skill-Mangel und marktliche Anforderungen, etwa bei der Erschließung neuer Märkte oder um Kundennähe zu gewährleisten.

Die Entscheidung für verteilte Teams in der Software-Entwicklung ist in der Regel aus einer Notwendigkeit heraus geboren und keine „Liebesentscheidung“.


Den ganzen Beitrag lesen…

#370 Basisfähigkeiten (4): Kommunikation

Mit der Wahrnehmung als einer Säule unserer Basisfähigkeiten haben wir uns in den Beiträgen 2 und 3 dieser Reihe bereits beschäftigt. Die nächste wesentliche Säule stellen unsere kommunikativen Fähigkeiten dar.

In unserer postindustriellen Wissensgesellschaft besteht auch ein Großteil unseres Handelns aus Kommunikation. Wir kommunizieren um unsere Ziele/unseren Auftrag zu klären, kommunizieren im Team um gemeinsam zur Lösung zu kommen oder um aus einzelnen handelnden Personen ein Team zu machen, kommunizieren bei der Lösung, bei Problemen und Konflikten, …

Nimmt man noch Watzlawiks klugen Satz  „Man kann nicht nicht komunizieren.“  hinzu, danm ist die Tragweite und Bedeutung der Kommunikation offensichtlich.

Kommunikation ist weit mehr als nur Sprache, auch wenn wir dies immer wieder vergessen und aus Bequemlichkeit – die schönen neuen Medien (angefangen vom Telefon, über Email bis hin zu Social Media) machen es uns auch einfach – den direkten Kontakt zu unseren Gesprächspartnern vernachlässigen.

Sprache als Medium dient dem Informationsaustausch, ist aber auch Motivationswerkzeug und dient der sozialen Interaktion. Sie kommt auch bei so banalen Arbeitsmitteln wie Protokollen oder Berichten zum Einsatz.

Der Management-Guru Fredmund Malik führt in seinem Buch „Führen Leisten Leben“ übrigens auch die Sitzung und den Bericht als Werkzeuge wirksamer Führung neben klassischen Orgnaisationsmethoden und Budgetierung auf.

Kommunikation ist nicht nur Interaktion sondern ermöglicht auch erst die Wahrnehmung verbaler Informationen.

Wir sollten uns die Rolle der Kommunikation immer wieder bewusst vor Augen führen. Allzu fahrlässig gehen wir mit ihr im Projekt- und Arbeitsalltag um.

Ohne gleich den ganzen Schulz-von-Thun anführen zu wollen, müssen wir uns der Vielschichtigkeit und der Wirkungsweisen der Kommunikation bewusst sein.

Weit mehr entscheidend als das, was wir ausdrücken wollen, ist das, was ankommt, bzw. das, was mit der Kommunikation bewirkt wird. Sehr schön kommt dies auch in einer afrikanischen Weisheit zum Ausdruck:

„Das Wort gehört zur Hälfte dem, der spricht, die andere Hälfte gehört dem, der zuhört“