BER evakuiert!

Was für eine Überraschung: Schaue gerade Folge 11 der fünften Statffel Homeland auf Amazon Prime und da wird der BER evakuiert. Habe anscheinend irgendetwas verpasst. Da sind Hollywood und der Dschihad schneller als das Projektmanagement…

#583 Von Steve lernen…

Ich lese gerade Steve Jobs Biographie und fühle mich bei der Beschreibung von Jobs Reality Distortion Field (RDF) an die Diskussion über Großprojekte erinnert. Was im Apple Jargon ironisch als RDF bezeichnet wurde, war ein Wesenszug Jobs dem mitunter eine Wahrnehmungsverzerrung unterstellt wurde, in der er nur mehr eine – nämlich seine eigene – „Realität“ wahrnahm und nichts darüber hinaus gelten ließ. Völlig unrealistische Kosten- und Terminaussagen werden einem Visionär wie Jobs aber offenbar verziehen. Und solche gibt es auch in der Apple Historie zuhauf.

Leider besitzen auch viele (Groß-)Projekte eine Art Reality Distortion Field. Und dennoch machen wir es uns bei der Kritik an Großprojekten zu einfach: Der BER von heute hat (fast) nichts mit dem ursprünglich geplanten BER gemein. Umso schwieriger und unsinniger ist ein Vergleich von Termin und Kosten. Das befreit die Politik nicht von ihrer Verantwortung. Auch Wowi & Co müssen sich für ihr persönliches Reality Distortion Field rechtfertigen, aber das ist eine andere Geschichte.

#556 Flughafen Inbetriebnahme

Die Titelstory in der aktuellen Ausgabe der Projektmanagement aktuell:

Flughafen Inbetriebnahme – 12.000 Mitarbeiter werden am „Tag X“ perfekt zusammenarbeiten

Achso, im Oman – nicht in Berlin.

#554 openPM-Canvas für BER

Auf openPM entsteht gerade ein Schema für ein Projekt-Canvas. Canvas sind ein populäres Konzept zur Visualisierung, bekannt geworden vor allem durch die Business Modell Canvas von Alex Osterwalder & Co.

Um die bisherigen Ergebnisse zu verproben habe ich mich an zwei Beispielen versucht – neben einer sehr einfachen Themenstellung („Besuch bei der Oma“) auch an einer möglichst komplexen: Dem Flughafen Berlin-Brandenburg BER. (Die beiden Beispiele finden sich in dem openPM-Artikel zur Entwicklung eines PM-Canvas.)

 

(Bildquellen: Wikipedia)

Vielleicht ist die Canvas einseitig – ich habe meine Informationen auch nur aus Web und Presse.
Vielleicht bin ich vorschnell einfachen Erklärungsmustern erlegen.
Aber anhand des Canvas lassen sich prima Geschichten erzählen:

Z.B. Die Geschichte von der Planung und den vielen Planungsänderungen, die das Planungsteam überfordert haben und Probleme wie beim Brandschutz zur Folge hatten. Als schnelle Lösungsstrategie hat man sich dann vom Planungsteam getrennt (und Know How verloren), aber die Planungsänderungen nicht hinterfragt, obwohl mittlerweile klar ist, dass selbst essentielle Parameter, wie die Größe hoffnungslos falsch angesetzt waren (ob vom Planungsteam oder vom Auftraggeber sei dahin gestellt)

Eine weitere Geschichte erzählt die Politik: Eine Stakeholder-Betrachtung offenbart schon die politische Dimension. Insbesondere im anstehenden Wahljahr. In der Politik spielt auch die Schuldfrage eine Rolle – statt sich auf die (technische) Problemlösung zu konzentrieren wird das Team ausgetauscht, so dass man jetzt nicht mal so genau weiß wo man steht (Status) und man möglicherweise einen Stillstand im Projekt verursacht hat.

Kosten, Timeline und Risiken offenbaren das Desaster. Neben den „normalen“ Projektrisiken in der Erreichung von Time-Quality-Budget, die bereits alle gerissen wurden, bestehen noch außerordentliche Risiken, die noch gar nicht absehbar sind:

  • Mögliche Schadensersatzklagen durch Partner wie den Airlines, Mietern, …
  • Die laufenden Prozesse zu den zulässigen Flugrouten
  • Das Finanzierungsrisisko aus dem EU-Wettbewerbsrecht: Staatliche Zahlungen müssen von der EU abgesegnet werden, da sie sonst als Subventionen in einem freien Markt interpretiert werden können.  Es reicht nicht, dass 2 Bundesländer und der Bund an dem Projekt beteiligt sind – auch die EU muss noch mitreden und nicht nur in der EU, sondern vielleicht auch in Deutschland, z.B. in Frankfurt oder München, sehen nicht alle nur wohlwollend auf den künftigen Konkurrenzflughafen.

#546 Schuldige im Projektmanagement

Den mit Abstand interessantesten Kommentar zur neuerlichen Terminverschiebung des Berliner Flughafens (BER) habe ich bei Fritz B. Simon gefunden. In seinem Blog für den Carl-Auer-Verlag schreibt er:

Wenn nun solch ein Projekt – wie in Berlin – in Schwierigkeiten gerät, dann erhebt sich sofort die Frage: „Wer ist schuld?“ Und die Antwort scheint dann naheliegend: die Planer, die Bauleiter u.ä. Und die Konsequenz scheint klar: Rauswerfen. Doch, und das zeigt der Berliner Flughafen: Diese Lösung ist nicht sonderlich intelligent. Wenn man diejenigen, die für die Planung und Durchführung des Projektes entlässt (z.B. die Architekten), dann kommt das einer Gehirnamputation des Projektes gleich. Denn letztlich sind die Planer und Bauleiter (die „Schuldigen“ am Desaster) die einzigen, die den Überblick haben (können), was schief läuft und wo nachgebessert werden muss.

Und wie Recht er hat. Die Frage nach der Schuld ist schlichtweg irrelevant – weil rückwärtsorientiert – und verführt zu falschen Schlüssen. Statt nach der Schuld zu fragen, müsste man sich doch die Frage stellen, wie man am besten aus der verfahrenen Situation wieder heraus kommt und wen man dafür braucht.

Aber leider ist diese Rechtfertigungskultur heute sehr weit verbreitet und die Handlungsfähigkeit bleibt auf der Strecke.