#590 ADAC, GPM & Co


Nein, hier soll niemanden kriminelles Handeln unterstellt werden.

Und nochmals nein, wenn hier GPM steht, könnte hier genau so gut auch PMI stehen.

Worauf ich hinaus will ist, dass Verbände wie PMI und GPM sich in genau dem gleichen Dilemma befinden, das der ADAC aktuell auszubaden hat: Die Vermischung von kommerziellem und nicht-kommerziellen Interessen.

GPM & Co stehen nicht im Verdacht solcher Verfehlungen, wie sie beim ADAC gerade publik werden (Manipulation, Lobbyismus und persönlicher Missbrauch von Vereinsvermögen). Aber den Pfad der Gemeinnützigkeit haben sie bereits ein gutes Stück verlassen. Oder wussten Sie schon, dass der GPM-Mitgliedsbeitrag anteilig mehrwertsteuerpflichitg ist, weil der Wirtschaftsbetrieb bereits eine relevante Rolle einnimmt?

Verbände verlieren ihren Anspruch auf Unabhängigkeit, je mehr sie sich in kommerzielle Gefilde begeben. Die Kritik an den Projektmanagement-Verbänden hat unter anderem zur Gründung des openPM e.V. geführt, der versucht genau dieser Versuchung zu widerstehen. Aber die bekannten Verbände sind leider in guter Gesellschaft, wenn sie „Herrschaftswissen“ z.B. in Form des Zertifizierungs-Business kommerzialisieren. Nichts gegen die Definition von Standards und auch nichts gegen die Zertifizierung von Standards, aber wenn dabei die Kommerzialisierung überhand nimmt, dann ist das durchaus vergleichbar damit, wenn der ADAC mit seinen gelben Engeln Autobatterien gegen Provision verkauft.

Leider befinden sich die Verbände seit Jahr und Tag in schlechter Gesellschaft, denn auch ISO-Normen werden als Herrschaftswissen gegen teures Geld verhökert (einen lieben Gruß an den Beuth-Verlag). Dabei verliert jede Norm ihren Anspruch darauf Standard zu sein, wenn sie nicht transparent und öffentlich verfügbar ist. Nicht weil ihre Erarbeitung nichts kostet, aber nur wenn sie transparent sind, sind sie überprüfbar. Und nur die Überprüfbarkeit rechtfertigt ihren Geltungsanspruch!

Es ist vollkommen legitim Wissen gegen Entgelt zu verkaufen, aber wer dieses Wissen gleichzeitig zu einem allgemeinen Standard erhebt ist schlichtweg ein Pharisäer!

Bildquelle: michieldijcks (CC BY 2.0)
http://www.flickr.com/photos/michieldijcks/2966084193/


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5 Kommentare zu “#590 ADAC, GPM & Co”

  1. Martin Bartonitz
    3. Februar 2014 um 09:27

    Ich las gestern, dass alte Traditionen kostenfrei lehrten, damit ihre Lehren nicht verwässert würden.

    Ein System, das auf maximalen Gewinn auf Kosten Anderer ausgelegt ist, kann am Ende nur immer wieder auf Korruption hinauslaufen.

    Daher kann ich gut verstehen, warum sich zunehmend Menschen der Idee des Open Source, den Commons, früher Allmende wieder zuwenden.

    Viele Grüße
    Martin

  2. Alexander Volland
    3. Februar 2014 um 10:19

    Die hohen Kosten für den Zugriff auf Standards finde ich auch etwas „ungewöhnlich“.
    Der Kritik an den Verbänden stehe ich mit gemischten Gefühlen gegenüber. Einerseits kostet Verbandsarbeit einfach Geld – man halte sich vor Augen, dass ein PM-Spezialist für jeden Tag, den er nicht im Verband arbeitet über 1000EUR Tagessatz ausschlägt.
    Andererseits: Warum muss eine Konferenzteilnahme ein paar Tausend Euro kosten, wenn es vor Sponsoren nur so wimmelt…?

    Viele Grüße
    Alexander

  3. Jens von Gersdorff
    4. Februar 2014 um 14:49

    Ja, leider stimme ich dem 100% zu. Und das leider kommt von Herzen.
    Denn ich halte von den Standards viel. Aber besonders deshalb bin ich gegen ihre Kommerzialisierung.
    Immerhin sind – besonders bei PMI und GPM – diese Prozesse und Methodiken nicht „Erfindungen“ der Organisationen, sondern lediglich die Sammlung der best practice aus vielen Projekten. Sozusagen „Grimms Märchen“ des Project Managements.

    Insbesondere das PMI ist aber schon bedenklich nahe an den ADAC herangerückt. Teure Zertifizierung, Kurse und Seminare, teure Dokumentationen und alles getrieben nach dem Motto: „Musst Du machen, sonst bekommst Du keinen PM Posten mehr!“

    Die Zertifizierung des PMI sagt nichts aus, ob jemand die Materie wirklich begriffen hat und in der Lage ist, sie in der Realität einzusetzen. In den letzten Project Firefighter Einsätzen habe ich ausnahmslos zertifizierte PMP ablösen müssen.
    Lieben Gruß
    Jens

  4. Holger Zimmermann
    7. Februar 2014 um 10:34

    Lieber Bernhard,

    ich hoffe, dass wir mit openPM nicht in dieselbe Falle tappen. Die Versuchung scheint prinzipiell groß zu sein, durch das Zertifizierungsgeschäft eine Geldmaschine in Gang zu setzen. Damit geht leider oft einer der wesentlichen Gedanken von Standardisierung verloren: sie soll uns aufwändige Absprachen ersparen und so produktiver machen.

    Beste Grüße
    Holger

  5. admin
    7. Februar 2014 um 10:49

    Hallo Holger,
    die Gefahr besteht und das gilt es zu vermeiden. Morgen ist große PM-Camp-Klausur, wo es u.a. auch um das Zusammenwachsen von openPM und PM-Camps geht und da müssen wir genau auf solche Stolperfallen achten.
    Gruß
    Bernhard

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