Monatsarchiv für September 2018

 
 

Storytelling – nicht nur im PM-Krimi

Der gerade laufende PM-Krimi auf schlossBlog nutzt natürlich Storytelling. Noch viel weiter getrieben haben wir das Stoytelling in unserem Buchprojekt zur Business Visualisierung.


Barbara Lauer, genannt Babs, macht sich nach einem denkwürdigen Erlebnis auf eine Entdeckungsreise in die Welt der Business Visualisierung und findet ungeahnte Methoden-Schätze und Hintergründe.

Leichtfüssig und spielerisch nähert sich dieser Roman den Möglichkeiten der Facilitation und des visuellen Denkens.
Das Spielerische selbst hat Methode – lädt es doch zum Ausprobieren und Anwenden ein.

Erhältlich ist das Buch u.a. bei Amazon.

Eine Leseprobe gibt es auf den Seiten des Verlags.

 

PM-Krimi (3): Antipoden Klassisch. Agil.

Die Verdächtigungen waren offen ausgesprochen, aber dennoch so vage, dass es niemand gewagt hatte gegen Sherlock oder Drings direkt vorzugehen. Es war aber offensichtlich, dass die anderen Workshop-Teilnehmer die beiden nun mieden, wie der Teufel das Weihwasser.
Und so kam es, dass ausgerechnet Sherlock und Drings gemeinsam an der Bar zu sitzen kamen.
Den Anfang machte Drings: „Ihnen ist schon klar: So unterschiedlich unsere Ansichten und Vorgehensweisen auch sein mögen – Wir sitzen im selben Boot. Wir wollten uns beide Totalo nur vom Hals halten und haben uns mit der gleichen Strategie ganz tief in die Scheiße geritten.“
So ein offenes Wort hätte Sherlock dem alten Griesgram gar nicht zugetraut, aber wo er Recht hatte, hatte er Recht und Sherlock musste auch nichts weiter sagen als seinem ungeliebten Weggefährten und Mitverdächtigen zuzuprosten.
Sherlock war Pragmatiker genug: „Vielleicht haben wir sachliche Differenzen, aber im Moment verbinden uns handfeste gemeinsame Interessen. Wir müssen Totalos Mörder finden – am besten bevor noch mehr Porzellan zerbricht.“
Drings nahm einen Schluck aus seinem Glas und lächelte vor sich hin: „Wir haben keine sachlichen Differenzen. Wir arbeiten lediglich mit unterschiedlichen Annahmen und daraus resultierend mit unterschiedlichen Vorgehensmodellen.“
Jetzt war Sherlock baff. Er fühlte sich gerade von Drings überholt. Hatte er da richtig gehört?
„Wie meinen Sie das?“
„Als Vertreter des agilen Projektmanagement verzichten Sie auf eine umfassende Konzeption und Projektplanung, weil Sie heute eh noch nicht alles wissen können und der permanente Wandel und die Änderung der der Anforderungen das natürlichste sind, was es gibt.“
„Und Sie sehen aber weiter, haben die Weisheit mit Löffeln gefressen und planen von Anfang bis Ende alles durch….“
Kaum waren Sherlock diese Worte entfahren, biß er sich auch schon auf die Zunge, hatte Drings ihm nicht zuvor ein Friedensangebot gemacht?
„Nein, ganz so ist es nicht. Geplant wird doch in beiden Welten: meiner wie Ihrer. Lediglich die Planparameter sind andere. Wer plan? Einer oder das Ganze Team. Mit welchem Zeithorizont? Nur einen Sprint entlang oder das ganze Projekt? Mit welcher Planungstiefe? Detailliert oder nur ganz grob? Klar muss ich mich bei einer zentralen Planung ganz anders mit Änderungen rumschlagen als Sie mit Ihrem Backlog, in dem die Änderung quasi schon zum System gehört. Dafür habe ich eine strategische Ausrichtung.“
„Für die sorgt der Product Owner bei uns auch.“
„Punkt für Sie. Aber es gibt Anforderungen z.B. von Zulassungsbehörden, die uns zu einem formalistischeren Ansatz und dessen Dokumentation zwingen. Beispielswiese in der Medizintechnik, der Luftfahrt oder der Automibilindustrie. Da wollen Sie gar nicht mit der Behörden über einzelne Backlogeinträge diskutieren. Und Ihr Product Owner: Darf der GANTT-Charts malen?“
„Ja, darf er, aber die zeige ich meinem Team nicht.“
Beide mussten grinsen.
„Nach dem einen oder anderen Bier scheinen Sie mir weit agiler, als ich vermutet hätte,“ ließ sich Sherlock zu einem Kompliment hinreißen.


Was bisher geschah:

Intro: Klassisch. Agil. – Ein Projektmanagement-Krimi
Teil 1: Ein Workshop in den Bergen
Teil 2: Ein Toter

PM-Krimi (2): Ein Toter

Es war ganz offensichtlich, dass Phillippo Totalo keines natürlichen Todes gestorben war. Das Messer in seinem Rücken ließ keinen anderen Schluß als Mord zu.
Zu allem Überfluss hatte auch das Wetter gedreht. Sturm und Regen waren aufgekommen und es sah nicht so aus, als sollte sich das so schnell ändern.
„Da kommt momentan niemand auf den Berg rauf und niemand runter,“ meinte der Hüttenwirt.
„Und der Mörder ist mitten unter uns,“ entfuhr es Sigrid Meier, Phillippos rechter Hand.
Mit bedröppelter Miene blickten sich die Workshopteilnehmer an. Erst schwiegen alle, aber ehe man sich versehen konnte ging es mit ersten Schuldzuweisungen und Verdächtigungen los.
Sherlock hätte fast schon wieder feixen können als Drings als erster ins Fadenkreuz der Verdächtigungen geriet. „Von wegen alles grün. Erzählen Sie uns nichts. Wir wissen doch von Ihren technischen Problemen, die eigentlich nur eine Statusfarbe erlauben: dunkel-rot,“ legte Ägidius Holzapfel, Produktverantwortlicher für die neue Hardware-Linie los. Aus der zweiten Reihe ertönte es: „Melonen-Reporting: Auf den ersten Blick alles grün und je tiefer man bohrt, umso röter wird es.“
Sherlock konnte sich ein Lächeln kaum verkneifen, aber plötzlich drehte der Wind. Nicht Drings, sondern ausgerechnet einer dieser Digitalisierungsberater, ein Mittdreissiger mit Hipster-Bart, begann auf Sherlock zu schießen: „Sie sind natürlich außen vor. Sind dem guten Phillippo noch in den letzten Minuten seines Lebens in den Allerwertesten gekrochen wie ein Zäpfchen. Alles gut. Alles eitel Sonnenschein. Wer´s glaubt wird selig! Sie sind keinen Deut besser als Drings. Und wahrscheinlich haben Sie ein genau so gutes Motiv die arme Seele aus der Welt zu räumen.“
Drings hatte kurz zusammengezuckt, als er mit seinem Spitznamen erwähnt wurde, aber schwieg dann und Sherlock überlegte für einen kurzen Moment und hielt es dann auch für besser erst einmal zu Schweigen, aber eine Lawine aus Beschuldigungen und düsterer Verdächtigungen war losgetreten und nicht mehr zu stoppen.


Was bisher geschah:

Intro: Klassisch. Agil. – Ein Projektmanagement-Krimi
Teil 1: Ein Workshop in den Bergen

PM-Krimi (1): Ein Workshop in den Bergen

Sherlock gingen diese Workshops gegen den Strich. Statt mit seinem Team am nächsten Sprint zu arbeiten war er von Phillippo Totalo zu diesem blödsinnigen Workshop auf einer Almhütte in den Bergen verdonnert worden. Das sei wichtig, wegen der digitalen Transformation. Und das ganze Unternehmern müsse agiler werden, sagt so ein Schwachkopf ausgerechnet einem Scrummaster wie Sherlock. Und dann laufen auf der Hütte auch so obskure Gestalten wie dieser Drings rum: stocksteif, als hätte er einen Besen verschluckt, sogar hier oben mit weißem Hemd, immerhin ohne Krawatte und immerhin hatte er sich sogar zu einer Jeans hinreißen lassen. Casual war angesagt.
Eigentlich hieß Drings gar nicht Drings. So hatte ihn ein Entwickler aus Sherlocks Team getauft und alle hatten hinter vorgehaltenen Hand den Namen übernommen. Drings war Doktor der Ingenieurswissenschaften und so was von old school, dass sich Sherlock weigerte Drings richtigen Namen zu merken.
Schon bei Totalos Eröffnung hatte sich schnell rausgestellt, dass Sherlock und Drings die Antipoden dieses Wochenendes bilden würde. Hatte Phillippo, Programmmanager im Konzern, doch über hybrides Projektmanagement referiert. „Wir müssen alle voneinander lernen.“ „Das beste aus zwei Welten.“ Und so weiter – da rollten sowohl Sherlock als auch Drings, Projektmanager vom alten Schlag, mit den Augen.
Zum Aufwärmen und Kennenlernen hatte Phillippo dann zum x-ten Mal die Marshmallow Challenge aufgewärmt. Sherlock hätte kotzen können und und Drings gab sich vermeintlich jovial und souverän.
Im nächsten Themenblock waren alle aufgefordert ihr aktuelles Projekt und dessen Stand vorzustellen. Sherlock hatte über ihre agile Projektplanung referiert und als Drings nach deren Verteilung auf dem Zeitstrahl fragte, hatte Sherlock noch ironisch angemerkt, ob er es als Balkendiagramm darstellen solle und da hatte Phillippo doch eingeworfen: „Warum nicht!“ Das Beste aus beiden Welten.“ Sherlock hatte innerlich ein Messer aufgeklappt und redete jetzt nur mehr Phillippo nach dem Mund. Nicht weil er ihm gefallen wollte, sondern, um mit seinem Team abtauchen zu können und in Ruhe die eh schon schwierige Aufgabe zu bewältigen. Da wollte er ihre Probleme nicht Phillippo und schon gar nicht Drings auf die Nase binden.
Als nächster war Drings an der Reihe. Status-Reporting at its best. Gleich ein paar Ampel-Folien, alles grün natürlich und Drings war in seinem Element
Es folgten ein paar weitere Berichte und schließlich war es Zeit zum Abendesse! Und nach dem Abendessen war Phillippo tot. Mausetot.

 


Was bisher geschah:

Intro: Klassisch. Agil. – Ein Projektmanagement-Krimi



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