Monatsarchiv für Oktober 2016

 
 

Das Compliance-Dilemma

Compliance, die Einhaltung rechtlicher und eigener verbindlicher Vorgaben und Richtlinien, scheint doch so einfach, tja wären doch unsere Regelungen widerspruchsfrei und aufeinander abgestimmt.

Und dann leben wir auch noch in einer globalisierten Welt, wo wir dann auch noch die Compliance in den verschiedenen betroffenen Rechtsräumen brauchen – ich meine jetzt nicht unterschiedliche Fachgebiete, sondern geografisch einzelne Länder mit ihren eigenen Rechtssystemen. Welcher Rechtsraum ist für unseren konkreten Geschäftsvorfall relevant? Bzw. welche Rechtsräume sind relevant? Die direkt betroffenen? Also wenn wir einen deutsch-ägyptischen Geschäftsfall anschauen: deutsches Recht und ägyptisches Recht? Was ist mit der Transitstrecke? Oh Mist, US-Recht beansprucht für sich weltweite Gültigkeit, verpflichtet „US-Persons“ und das sind nicht nur US-Staatsbürger, sondern beispielsweise auch Greencard-Inhaber oder Geschäftsreisende, die sich in USA aufhalten, und nimmt sie in die Pflicht. Wenn auch noch US-Technologie davon betroffen ist, weil die verwendeten Schrauben auf einer US-Drehbank gefertigt wurden, dann mal viel Spaß. Und wir haben noch nicht geschaut, ob nicht auch das nordkoreanisches Recht Anforderungen an unseren konkreten Vorgang richtet. Dessen Relevanz haben wir womöglich gedanklich ausgeblendet. Ein Abwägungsprozess – nicht Compliance.

Einen weiteren Abwägungsprozess liefert uns die Verhältnismässigkeit der Mittel. Denken wir an Informationssicherheit und fehlerfreie Programmierung. Mit absolutem Anspruch vollkommen unsinnige Zielsetzungen, weil wer 100%-ige IT-Sicherheit verspricht oder fehlerfreie Programme von der Materie keine Ahnung hat oder ein Blender ist. Ob wir wollen oder nicht kommen wir um Abwägung und einen Risiko-basierten Ansatz nicht herum. Wir müssen ein sinnvolles Sicherheitsniveau definieren und verfolgen. Und auch hier wieder bewusst abwägen.

Die Abwägung unterhöhlt elementare Grundprinzipien beispielsweise im Datenschutz, wo sich selbst staatliche Hüter der Domäne, die sonst alle Betroffenen mit aller Härte in Ihre Schranken verweisen, z.B. gegenüber Lobbyisten der Versicherungswirtschaft in die Knie gehen, selbst wenn es um die Auswertung besonderer personenbezogenen Daten geht.

Compliance ist zweifellos ein weites Feld. Ein schwammiges noch dazu.

Wenn wir mit Compliance-Anforderungen konfrontiert sind, ist die Definition geeigneter Prozesse unsere einzige Chance Transparenz in die Abläufe und Abwägungen  zu bringen und Verantwortung wahr zu nehmen.

Ein echtes Dilemma.

Das Compliance-Dilemma.

 

Beitrag #701 auf schlossBlog

Snippet: Spracherwerb

Wie im Jubiläumspost angekündigt, werde ich künftig immer wieder einzelne Infohäppchen als „Snippets“ einstreuen.

Den Anfang macht Sunni Brown, die in Ihrem Buch „The Doodle Revolution“ sehr schön darstellt, wie der Spracherwerb bei uns Menschen funktioniert. Und zwar vergleicht sie den Erwerb der verbalen Sprache mit dem Erwerb der visuellen Sprache (Bildsprache) und hält uns als Spiegelbild vor Augen, wie wir zu Schulzeiten unsere visuellen Fähigkeiten sträflich vernachlässigen und uns einseitig auf verbale Kompetenzen stürzen. Dabei verschenken wir das enorme Potential visuellen Denkens!

 

Beitrag #700 auf schlossBlog

Planänderung – Was bloggst du?

Ich bin Projektmanager und mit Planänderungen kenne ich mich aus.

Sollte #wasbloggstdu nur eine kleine Reihe mit Blogvorstellungen anläßlich des Jubiläums von schlossBlog werden, so habe ich meine Meinung geändert: Dies ist das Ende der Jubiläumsreihe und der Anfang einer losen Serie. Ganz sicher nicht mit dem Tempo der ersten Folgen aber immer wieder eingestreut wird es künftig neue Folgen geben und wer einen Vorschlag hat, wer/was hier unbedingt vorgestellt werden sollte, der darf sich gerne melden.

Aber erstmal ein ganz herzliches Dankeschön für alle Gastbeiträge von den lieben Kollegen!

Bisher erschienen sind:

Dies ist Beitrag #699 auf schlossBlog

Canvas Kritik


Beim Computermaler Tim Themann bin ich über eine kritische Rezension der Canvas-Konzepte gestolpert.

Der Kollege ist ja als visuell denkender Mensch bekannt, da könnte so eine Kritik doch verwundern – doch er hat ja Recht. Er kritisiert „A-priori-Visualisierung“ und Tütensuppendenken. Er beschreibt Canvas als:

„…ein Formular. Formulare haben klar vorgegebene Felder fester Größe, die mit exakt vorgegebenen Inhalten zu füllen sind. Innerhalb dieser Grenzen bewegt sich das Denken – und diese Grenzen werden übrigens weder durch tolle, farbige Haftnotizen noch durch Visualisierungen wirklich erweitert. Das Ausfüllen eines Formulars wird durch visuellere Gestaltung kein inhaltlich kreativerer Akt. All dies sind allerhöchstens Geschmacksverstärker in der Tütensuppe des formularhaftes Denkens.“

Natürlich hat er damit Recht und gleichzeitig auch nicht.

Fakt ist eine gewisse Inflation von Canvas-Konzepten.

Was gut ist, setzt sich halt auch durch.

Nein, viele der Canvas-Vorlagen sind eher dürftig: Ein willkürliches Aneinanderklatschen von Feldern. Die Degeneration der Canvas-Idee.

Ein Canvas hilft zu strukturieren – ohne bereits zu viel festzulegen.

Wer ein Canvas als Formular benutzt, hat das Prinzip nicht verstanden. Canvas heißt nicht nur Leinwand, ein Canvas sollte auch als solche genutzt werden: Als Projektionsfläche.

Die einzelnen mit dem Canvas erarbeiteten Inhalte interessieren weniger als der Prozess der Bearbeitung.

Ein Canvas richtig eingesetzt ist ein mächtiges Graphic Facilitation-Werkzeug.

In der gruppendynamischen Erarbeitung entfaltet ein Canvas seine Stärke. Er ermöglicht und fördert Kommunikationen, die sonst nicht oder nicht in diesem Ausmaß stattfinden würden. Ein Businessplan oder ein Projektauftrag kann normalerweise nur in einem kleinen Kreis ausgearbeitet werden. Mit einem Canvas kann ich einen größeren Personenkreis in den Prozess einbinden und die wesentlichen Ideen und Komponenten in den Köpfen der Beteiligten verankern.

Mit seiner Grundstruktur versucht er obendrein eine gewisse Vollständigkeit der Betrachtung zu gewährleisten, d.h. Vollständigkeit ist das falsche Wort – eher ist es eine Ganzheitlichkeit. Gerade durch den improvisierten Charakter produziert ein Canvas keine Vollständigkeitsillusion. Niemand käme auf die Idee, dass mit Osterwalders Business Model Generation-Canvas eine Geschäftsidee vollständig bis ins letzte Detail dargestellt werden kann. Aber die Schwerpunkte und die Lücken, die Verbindung der einzelnen Themen verraten viel über den grundsätzlichen Charakter eines Modells: Das Wesentliche.

Als Formular bleibt der Canvas hingegen kraftlos. Es geht nicht darum ein Kreuzworträtsel auszufüllen, sondern eine Idee zu beschreiben, eine Geschichte zu erzählen. Niemand zwingt uns dazu sklavisch an der vorgegebenen Struktur zu kleben.

Eine Moderation anhand eines Canvas eignet sich auch hervorragend für einen Personenkreis, der sich noch nicht oder noch nicht viel mit visuellen Konzepten und visuellem Denken und Arbeiten auseinandergesetzt haben. Das Grundprinzip ist im Handumdrehen erklärt und jeder kann sich einbringen.

Man darf Canvas-Konzepte nicht überbewerten. Sie sind ein einfaches Hilfswerkzeug. Geschickt eingesetzt, aber ein sehr mächtiges. Wie immer bei Werkzeugen kommt es darauf an, wie man sie einsetzt und als Tütensuppe würden sie mir auch nicht schmecken…

Beitrag #698 auf schlossBlog

openPM Umfrage

Gestern war wieder einmal die jährliche Mitgliederversammlung von openPM e.V. . Die „üblichen Verdächtigen“ wurden in ihren Ämtern bestätigt. Danke für soviel Vertrauen!

Im Rahmen der Mitgliederversammlung startet auch eine Umfrage zu openPM.

openPM und der Verein dahinter wollen sich weiterentwickeln. Dafür sind wir auf Feedback angewiesen. Bitte beantwortet uns ein paar Fragen, wie ihr openPM seht und was ihr euch künftig von openPM wünscht. Die Teilnahme ist anonym. Die Umfrage nutzt Google Forms, eine Anmeldung ist aber nicht erforderlich.

Wer die Datenkrake Google lieber meiden will, ist natürlich eingeladen, sein Feedback auch formlos und direkt zu geben: info@openpm.info

Beitrag #697 auf schlossBlog

Was bloggst du? – Projektmensch

Der Blog:

Projektmensch-Blog  – http://blog.projektmensch.com/

 
Der Kopf dahinter:

„Holger Zimmermann heiße ich und bin Inhaber von „Projektmensch“, einer kleinen Firma am Rande des Schwarzwalds. Wir betreiben Organisationsentwicklung in Sachen Projektmanagement, unterstützen Projektleiter sowie Unternehmensleitung in deren Projekten und werden immer wieder engagiert, um weniger gut laufende Projekte zu retten. Bei unserer Arbeit interessieren wir uns besonders dafür, wie in unterschiedlichsten Situationen gute Zusammenarbeit gelingt. Dazu blogge ich, schreibe Bücher darüber und halte Vorträge zum Thema. Meinen ersten Blog habe ich etwa 1999 veröffentlicht, wobei wir das damals noch nicht „Weblog“ genannt hatten. Den Projektmensch-Blog in der heutigen Form gibt es seit 2009. Wenn ich gerade nicht in Projekten stecke, dann reise ich sehr gerne. Außerdem liebe ich die Fotografie, spannende Bücher und gute Gespräche sowie meine kleine Familie.“

Was treibt dich an zu bloggen?

„Das Schreiben hilft mir, meine Gedanken auf den Punkt zu bringen. Das war schon lange vor der Zeit als Blogger und Autor so. Als die passende Technik zur Verfügung stand, lag es nahe, die Gedanken zu veröffentlichen und so mehr Resonanz zu bekommen. Das ist es, was mich nach vor treibt und was mich reizt. Wobei ich immer wieder überrascht bin, dass die meiste Reaktion in persönlichen Gesprächen kommt und nicht über die Kommentarfunktion. Woran das liegt, habe ich noch nicht herausgefunden.

Wobei ich mit dem Blog und den Beiträgen auch dazu beitragen will, dass sich die Menschen in Projekten leichter tun. Ich hoffe, dass ich dafür nützliche Gedanken liefere. Projektmanagement, oder besser: Projektführung, ist für mich in erster Linie ein Hilfsmittel, um Sonderthemen mit höherer Wahrscheinlichkeit zu einem guten Ergebnis zu führen. Gleichzeitig hilft es, dass es den Menschen in den Projekten besser geht. Projektführung gibt Orientierung, schafft Klarheit und lenkt den Fokus. Viel zu oft sind Projekte für die Macher anstrengend. Dabei könnte es so schön sein, denn mit Projekten kann man das Neue schaffen, Neuland erschließen. Das mag ich. Je undurchsichtiger, je mehr kreative Leistung gefragt ist, desto mehr Freude macht ein Vorhaben. Für das Erschließen des Neuen wird Projektmanagement aus meiner Sicht leider zu selten genutzt. Genauso, wie aus meiner Sicht zu viel über die unterschiedlichen Ansätze („Agil!“ „Klassisch!“) geredet wird, anstatt das zu verwenden, was die Menschen und damit ein Projekt voran bringt.

Gelernt habe ich über die Jahre, dass ein Blog hilft, interessante Menschen kennenzulernen. Das gilt für Kollegen ebenso wie für heutige Kunden und Geschäftspartner. Aus den Blog-Beiträgen sind so Bücher, Projekteinsätze und Vortragsinhalte geworden. Diese Nebeneffekte will ich inzwischen nicht mehr missen.“

Und welche Themen dürfen wir in nächster Zeit von dir erwarten?

„Es sind drei Themenfelder, die mich derzeit besonders bewegen. Zum einen will ich erreichen, dass das Management, die Unternehmensleitung sich bewusst wird, dass sie einen wesentlichen Anteil daran hat, wie gut „das Projektmanagement“ im Unternehmen funktioniert und was sie konkret tun kann. Darüber will ich schreiben. Außerdem forschen wir im Team seit ein paar Monaten an der „Zukunft der Zusammenarbeit“. Hier sind wir der Meinung, dass „New Work“ oder „Zukunft der Arbeit“ zu kurz greifen, denn es geht aus unserer Sicht darum, zukünftige Organisationsformen zu finden und zu etablieren. Das ist mehr als freie Arbeitszeit und Home-Office. Die Rahmenbedingungen haben sich seit der Dampfmaschine unglaublich verändert, unsere Art, Unternehmen aufzubauen jedoch kaum. Das dritte Themenfeld hängt irgendwo dazwischen. Im Moment läuft es bei uns unter der Überschrift „Multi-Projekt-Management“, wobei ich den Titel noch nicht treffend genug finde. Letztlich sind es Strategieumsetzung und Kapazitätsmanagement, die dabei ebenfalls eine Rolle spielen.“

Und was sagt der schlossBlog über Holger und den Projektmensch-Blog?

Der liebe Holger ist einer dieser wertvollen, kollegialen Kontakte, die ich der Bloggerei, den PM-Camps und openPM verdanke. Der Austausch mit solchen Kollegen macht einen Großteil der Motivation aus, dies auch weiter zu tun. Auf schlossBlog habe ich auch schon sein Buch „Projektmanagement im Verlag“ rezensiert.

 

Was bloggst du? ist eine kleine Serie mit Blog-Vorstellungen anlässlich des 10jährigen Bloggerjubiläums von schlossBlog.
Beitrag #696 auf schlossBlog

Was bloggst du? – projekt(B)LOG

Der Blog:

projekt(B)LOG
http://www.pentaeder.de/projekt-blog/

 

Die Themen:

Über Menschen, deren Projekt- und Teamarbeit sowie verwandte Themen. Grundlage aller Beiträge ist die Überzeugung, dass wir mehr Menschlichkeit, mehr Kooperation, weniger Konkurrenz und weniger Management brauchen.

Der Kopf dahinter:

Dr. Eberhard Huber, einst Astrophysiker und Materialwissenschaftler, später Manager in der Software-Entwicklung … heute Projektleiter in Forschung, Lehre und Praxis. Gelegentlich betreue ich Abschlussarbeiten rund um den Themenkomplex Projektmanagement, halte Seminare und Vorlesungen. Neben Coaching im weiteren Sinne verdiene ich mein Geld überwiegend mit der Leitung real existierender Projekte. Ich rede und schreibe nicht nur über Projektmanagement sondern mache es selbst. Ein Stück weit reflektiere ich im Blog 30 Jahre Projekterfahrung.

Was treibt dich an zu bloggen?

Schon als Kind hatte ich den Wunsch irgendwann Artikel oder Bücher zu schreiben. Der Wunsch wurde schon zu einer Zeit erfüllt als es noch kein WWW gab. Demnach war es irgendwie logisch das Schreiben und Publizieren auszudehnen als die technischen Möglichkeiten zur Verfügung standen. Somit bin ich gewisser Weise Blogger der ersten Stunde. Ich habe schon zu verschiedenen Themen wie Politik, Kunst und Wissenschaft gebloggt als das Schlagwort Web 2.0 noch neu war. Insofern lag es auf der Hand, dass ich auch begann über meine beruflichen Erfahrungen in der Projektarbeit zu schreiben. So entstand der projekt(B)LOG. Neben dem projekt(B)LOG gibt es nach wie vor meinen privaten Blog aebbyLOG. http://log.aebby.de

Und welche Themen dürfen wir in nächster Zeit von dir erwarten?

In den letzten Monaten habe ich „methodische“ Wechselbäder erlebt. Das Pendel schwang zwischen reinem SCRUM und V-Modell hin und her. Aktuell arbeite ich in einem Umfeld, das gewissermaßen die Antithese zur Agilität darstellt, andererseits aber zur höchstmöglichen Agilität gezwungen ist. Damit stellt sich folgende Frage „Wie kann in großen, starren Organisation agil in Projekten gearbeitet werden ohne die zwangläufig auftretenden Probleme auf dem Rücken der Mitarbeiter*innen abzuladen?“ In diesem Kontext werden die Begriffe der „minimalinvasiven Agilität“ sowie des Team- und Projektuhrwerks eine wesentliche Rolle spielen.

Und was sagt der schlossBlog über Aebby und den projekt(B)LOG?

Unter den Projektmanagement-Bloggern ist Eberhard für mich so etwas, wie der sanfte Weise. Andere bloggen vielleicht „lauter“, aber Eberhard hat etwas zu sagen und zuhören lohnt sich. Auf einer ganzen Reihe PM-Camps, im Hotel, in seinem Blog oder auf openPM habe ich neben seiner fachlichen Kompetenz auch Eberhard als Mensch schätzen gelernt. Danke, Eberhard!

 

Was bloggst du? ist eine kleine Serie mit Blog-Vorstellungen anlässlich des 10jährigen Bloggerjubiläums von schlossBlog.
Beitrag #695 auf schlossBlog

Verbandshuberei

Nein, ich habe keine Lust zum Verbandsbashing.

Nein, ich habe auch nichts gegen die GPM (bin selber Mitglied), obwohl ich ihre kommerziellen Interessen im Zertifizierungs- und Schulungsbusiness kritisch sehe.

Mitte September erreicht mich eine Mail des GPM-Präsidiums mit einer Ausschreibung für die Programmleitung zur Umsetzung des neuen ICB4-Standards in Deutschland. Ging wohl an alle GPM-Mitglieder.

Soweit so gut.

Heute kommt eine neue Mail. Der Kollege Dr. xxx wird als Programmleiter vorgestellt und man bedankt sich für die zahlreichen Bewerbungen. (Zur Klarstellung: Ich habe mich nicht beworben. Und gekränkte Eitelkeit kann daher auch nicht als Grund für diesen Post herhalten.)

Ich hab auch nichts gegen Dr. xxx. Kenne ihn nicht und habe vollstes Vertrauen in seine fachliche Kompetenz, schließlich zählt er zu den Autoren des ICB4.

Rückwirkend bekommt da die Stellenausschreibung allerdings einen faden Beigeschmack. War wohl eher eine Pseudo-Ausschreibung, denn wer hat gegen einen der Autoren überhaupt eine richtige Chance.

Mit der Ausschreibung ist formal den Transparenzanforderungen des Verbands Rechnung getragen, auch wenn der Ausgang von Anfang an klar scheint.

Und jetzt darf der, der am Standard mitgewirkt hat, auch für die kommerzielle Umsetzung in der GPM sorgen. Aufgrund des Wirschaftsbetriebs ist übrigens auch der GPM-Mitgliedsbeitrag teilweise steuerpflichtig.

Die Vermengung solcher  Interessen kotzt mich an. Schade.

Beitrag #694 auf schlossBlog

Digitalisierung in KMU

Digitalisierung ist das neue Buzzword.

Wir müssen unsere Prozesse digitalisieren! Auch im Mittelstand.

Wie kann man das Thema Digitalisierung in einem KMU in sechs Schritten angehen?

Hier eine kurze Skizze:

  1. Definition von Geschäfts- und Digitalisierungsstrategie
  2. Bestandsaufnahme/Inventur
  3. Analyse und Anforderungsdefinition
  4. Produktauswahl
  5. Umsetzungsplan
  6. Implementierung

Der erste Schritt klingt akademisch und wichtigtuerisch, ist er aber nicht. Und man kann ihn auch knapp und pragmatisch machen, aber entscheidend ist, dass man sich bewusst wird, was man mit der Digitalisierung erreichen will und wie das zum eigenen Unternehmen und den eigenen Zielen passt.

Es gibt eine alte IBM-Werbung aus den 90ern, in der der eine dem anderen aus der Zeitung vorliest: „Hier steht, wir müssen ins Internet.“ – „Warum?“ – „Das steht hier nicht.“

Übertragen auf die Digitalisierung geht es genau um die Frage dieses Warum. Geht es darum die Maschinen zu vernetzen und in die Cloud zu bringen (z.B. um Updates zu installieren, Rechenleistung oder Speicher aus der Cloud zu beziehen), geht es um den Datenaustausch und Kommunikation mit den Kunden, geht es um Remote-Zugriff auf den Maschinenpark (z.B. zu Monitoring oder Wartungszwecken), …

Bestandsaufnahme/Inventur der eigenen Prozesse, Anwendungen und IT-Infrastruktur hat man im Idealfall bereits in der Schublade. Das hat noch gar nichts mit der Digitalisierung zu tun, sondern ist die Basis systematischer IT-Prozesse in einem Unternehmen. Je nach Voraussetzung kann da aber beliebig viel Arbeit dahinter stecken.

Wenn ich die Informationen aus den ersten beiden Schritten habe, kann ich sie im dritten zusammenbringen, Lücken und Handlungsbedarf identifizieren. Vielleicht gibt es aber auch Inseln, die man ausbauen und erweitern kann. Das Ganze aber vor dem Hintergrund des eigenen Geschäftsmodells und nicht weil irgendjemand sagt, man müsse jetzt digitalisieren.

Aus dem dritten Schritt weiß ich, ob ich die Maschinen in ein eigenes Sondernetz packe, ob sie eine Internetverbindung brauchen, welche funktionalen Anforderungen ich habe und wieweit ich meine Gesamtarchitektur integrieren möchte oder vielleicht sogar bewusst segmentieren (damit niemand aus dem Internet auf meine Maschinensteuerung kommt…). Jetzt kann ich schauen mit welchen Produkten ich das umsetzen kann.

Habe ich Produkte und Umsetzung, kann ich anfangen die Umsetzung konkret zu planen.

Und schließlich die Digitalisierung umsetzen.

Beitrag #693 auf schlossBlog

Und noch einmal St(e)akholder…

Und wieder eine Twitterperle:

Das hatten wir erst doch hier.

Beitrag #692 auf schlossBlog