Monatsarchiv für April 2014

 
 

#596 Risikomanagement und Intuition

Im aktuellen RiskNet-Newsletter ist ein Interview mit dem Neurowisenschaftler Prof. Dr. Bernd Weber und dem Beraterkollegen Axel Esser erschienen mit der Aufforderung sich im Risikomanagement nicht auf Intuition zu verlassen.

Hierzu entscheidend Bernd Weber:

Einerseits gibt es aus der Gehirnforschung die Aussage, analytisch-logische Verfahren sind hilfreich bei einfachen Entscheidungen und bei komplexen Entscheidungen ist Intuition besser. Das trifft so wohl auch für die alltäglichen Entscheidungen zu, die wir treffen müssen. Das ist allerdings anders, wenn es um unternehmerische oder finanzielle Entscheidungen unter Risiko geht. Da sollten wir uns lieber nicht auf Heuristiken oder Intuition verlassen. Intuition basiert auf der Fähigkeit der Mustererkennung im Gehirn, das heißt einer automatischen Abwägung von „gelernten Wahrscheinlichkeiten“. Das bedingt ein Umfeld, das hinreichend regelmäßig ist, um vorhersagbar zu sein und viele Gelegenheiten, diese Regelmäßigkeit durch langjährige Erfahrung zu bestätigen.

Diese Einstufung von Intuition erscheint mit plausibel und realistisch, aber was die komplexen unternehmerischen und finanziellen Entscheidungen angeht fehlt dieser Realismus gegenüber den dort nach Meinung von Weber und Esser anzuwendenden Methoden. Es ist wichtig die Grenzen der angewandten Methodik zu kennen. Was die Intuition angeht bin ich ganz bei den beiden, vermisse aber die relativierende Einschätzung anderer Methoden.

Wir leiden an einer Methodengläubigkeit ohne deren Grenzen zu thematisieren. Unsere Modelle sind logischerweise vereinfachend und unvollständig. Von der Intuition wissen wir, dass sie nicht perfekt ist, aber an Methoden klammern wir uns fest.

Wenn wir nicht hinreichend „gelernte Wahrscheinlichkeiten“ haben, können wir dann überhaupt die Zuverlässigkeit jedweder Methode beurteilen?

Nun, wir tun es wohl trotzdem. Ohne Kritikbewusstsein, Ein selbstkritisches intuitives Vorgehen  ist mir da lieber, wohlwissend dass die permanete Hinterfragung der Intuition keine leichte Hürde ist.

#595 Von der Politik lernen – Stakeholdermanagement

Kaum ein Begriff wird im Projektmanagement so strapaziert, wie der des Stakeholders (openPM). Die Stakeholder richtig einzubeziehen ist ein Schlüssel zum Projekterfolg. Wie heißt es so schön: „Betroffene zu Beteiligten machen“.

Es geht aber auch anders, womit wir wieder bei unserem aktuellen Beispiel aus der Energiewende wären. Nehmen wir doch die aktuelle Stromtrassenplanung des Netzbetreibers Amprion (Wikipedia). Es ist klar, dass eine Trassenplanung bei den Betroffenen nicht zu einem lauten Hurra führt, aber das Selbstverständnis der Planer ist schon einzigartig: Statt in Ihrer Planung zwischen verschiedenen Schutzklassen zu differenzieren mit denen man versucht den verschiedenen Interessen ausgewogen zu begegnen, weist Amprion schon gleich zu Beginn „Widerstandsklassen“ aus. Die Wortwahl ist schon einzigartig. Der Ton macht die Musik. Noch bevor der Dialog anfängt werden Fronten aufgebaut oder wie der Sarkast sagt: „Betroffene zu Beleidigten machen“…

Mit einem Stakeholdermanagement dieser Güte braucht man sich über die Konfrontation mit dem sogenannten „Wutbürger“ (wieder Wikipedia) nicht wundern. Und der Netzbetreiber keilt gleich in jede Richtung:

Amprion-Vorstand: Bürger tragen Schuld an stockender Energiewende

Aber auch:

Netzbetreiber vermisst Rückhalt der Politik

Kein Wunder dass das Handelsblatt schon von der Rückkehr des Wutbürgers spricht.

Stakeholdermanagement geht anders.

In eigener Sache

#594 Von der Politik lernen – Entscheidungsstrukturen

Mit Entscheidungen kennt man sich in der Politik aus. Das sieht man z.B. an BER und dem munteren Bäumchen-Wechsel dich in den Gremien und im Management. Neben dem Wankelmut der Politiker, besinnt sich auch mitunter der Wähler anders.

Das man sich mit Entscheidungen in der Politik gut auskennt, gilt auch für unser jüngstes Beispiel: Der Energiewende.

Und siehe da, die Länder haben dabei Ihre Mitwirkungsrechte in die Hand des Bundes gelegt. Siehe da, sie haben – de jure – im Moment „nichts mit zu Schnabeln“, auch wenn Politiker wie der bayerischer Ministerpräsident  Horst Seehofer einen anderen Eindruck erwecken und in Zeiten von Kommunalwahlen und Europawahlkampf, dem Wähler andere Aussagen suggerieren.

Die Besetzung von Entscheidungsgremien, die Entscheidungsmechanismen, hidden agendas und das Spiel mit der Öffentlichkeit und der öffentlichen Wahrnehmung ist auch in Projekten ein Drahtseilakt. Will man hier von der Politik lernen, stellt sich die Frage, ob man aus abschreckenden Beispielen lernen will…