Monatsarchiv für Juli 2012

 
 

#525 PM-Reader

Marcus Raitner fragt auf /misc ob der Projektleiter vom Aussterben bedroht ist.

In einer neuen Folge von PM-TV spricht Stefan Hagen mit Wolfgang Böhl über Professionalität im Projektmanagement.

Reinhard Wagner bespricht auf dem GPM-Blog die PM-Vorlesungen von Marc Opresnik auf YouTube – und ist enttäuscht.

Das CIO-Magazin zitiert eine Studie der FH Wien, die einen Trend zum Outsourcing von Projektmanagement attestiert. Da finde ich mich doch gleich wieder:

Stefanie Hofmann berichtet in 10 Teilen auf Unlocking Potential von ihrer Erfahrung mit der IPMA Level D-Sommerakademie (1. Kreativität, 2. Projektatlas, 3. Phasenmodelle, 4. Kommunikation, 5. Netzplan, 6.  TMS, 7. Qualitäts- und Änderungsmanagement, 8. Projektsteuerung, 9. Vertragsmanagement, 10. Abschluss). Persönlich Schmerzen bereitet mir der Umstand, dass Kommunikation erst nach den Phasenmodellen kommt. Für mich kommt Kommunikation sogar noch vor der Kreativität!

Selbstbild eines PMs: Bas de Bar (Englisch) – This Is What I Do. Dammit.

Und nochmal Reinhard Wagner über die Kostenfalle Großprojekt.

 

#524 AUS-Gelesen: manager magazin

Die Lektüre des manager magazins war lange eine lieb gewonnene Gewohnheit, aber nach der Lektüre der letzten Ausgabe geht diese Ära, glaube ich, zu Ende. Zeit das Abo zu stornieren.

Viele der Hintergrundberichte waren sicher gezielt lancierte Insiderstories, wobei – und das ist ein echtes journalistisches Manko – sich das manager magazin dabei gerne hat instrumentalisieren lassen. Interessanter als die Beiträge aus der DAX-Welt selbst, waren die Fragen, wer könnte das lanciert haben und welche Zwecke verfolgt er damit. Lancierte Artikel sind nichts Neues, aber langsam wir das Bunte-Niveau erreicht, da darf Maria Furtwängler auf das Titelfoto, auch wenn das Interview ähnlich wie die künstlich aufpushte Titelstory über die Macht der Medienfrauen eher dürftig daher kommen. Den Höhepunkt bietet allerdings die Selbstinszenierung des zweifelhaften Lars Windhorst – einst Kohls Wunderkind, dann Pleitier und mittlerweile wieder im Geschäft. Er darf uns im „Ich-Stil“ sein London vorstellen. Und last but not least in der Rubrik „Was macht eigentlich…“ darf sich noch ein Ex-Chef mit Motorsäge ins Bild setzen.

Um ehrlich zu sein, persönliche Relevanz bleibt da auf der Strecke – obwohl: Für Motorsägen interessiere ich mich neuerdings auch…

#523 PM nicht als Commodity verstehen

Im vorangegangenem Beitrag hatte ich darüber philosophiert, dass Projektmanagement immer mehr als Commodity missverstanden wird.

Aber was ist so schlimm daran, wenn PM ein Commodity wird?

Hierzu sei wieder Gunter Dueck angeführt, der von der Commodity-Gefahr spricht. Denn bei Commodities steckt die Intelligenz nicht mehr in der konkreten Leistung der Beteiligten sondern in den Prozessen. Durch festgelegte Normen und Vorschriften „…wird die Erfüllung der Vorschriften zur Commodity“. Diese Form der Professionalisierung birgt aber erhebliche Nachteile, denn „…[d]ie Berufe werden nicht derart professionalisiert, dass man alle in diesem Beruf so verbessert, dass sie alle gleichmäßig exzellent sind – nein, man programmiert sie alle gleich.“  Die Professionalisierung in der Praxis vernachlässigt „…die anderen Intelligenzen im Bereich von Gefühl, Wille, Instinkt, Humor, Intuition oder Führung […], weil diese nur in niederer Form als beschreibbare Anweisungen oder erlernbare Gesprächsfloskeln vorkommen. Dadurch werden sie bei der Professionalisierung durch die klassische Intelligenz des Auswendiglernens simuliert und ersetzt.“

Hier versteckt sich auch eine Kritik, die wir auf Standards und Zertifizierungen beziehen können. Diese erzeugen nämlich nicht eine professionelle Intelligenz im Sinne Duecks, sondern ihre einseitige Fixierung führt zu Dysprofessionalität. „Und weil die Welt immer höherdimensionaler, komplexer und komplizierter wird, sowie mehr Intelligenzen verlangt, wird der Schaden durch Unprofessionalität immer größer.“ Das blinde Anwenden von Normen und Standards schadet. Die Kunst liegt darin, die Regeln an den richtigen Stellen zu brechen, sie situationsspezifisch anzuwenden und den gesunden Menschenverstand einzuschalten.

Kommunikationsregeln ersetzen keine Kommunikation.

Controlling & Reporting ersetzen kein Problemlösungsdenken.

Jens Hoffmann hat nach dem vorangegangenem Beitrag auf Google + gefragt, wie wir dann Projektmanagement betreiben können, so dass es als wertsteigernde Aktivität betrachtet wird und nicht als Commodity.

Nun meine Antwort ist eine Professionalisierung – nicht im Sinne der Standards und Normen, sondern im Sinne der Professionalisierung Duecks, die neben der klassischen Intelligenz auch emotionale Intelligenz, vitale Intelligenz des Instinktes und des Handelns, Intelligenz der Sinnlichkeit (Schönheit), Intelligenz des Kreativen und Intelligenz der Sinnstiftung braucht. Und dieses Gesamtpaket gibt es beim besten Willen nicht mehr als Commodity. Das ist schon Premium. 😉